Zerstückelter Junge aus dem Fluss: Ist der Tristan-Killer wieder da?

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Das Phantombild des mutmaßlichen Mörders.

Frankfurt – Es ist die Tat eines Teufels. 13 Jahre ist es her, dass der 13-jährige Tristan Brübach in einem Tunnel am Liederbach regelrecht abgeschlachtet wurde. Die Polizei tappte im Dunkeln. Jetzt könnte es eine Spur geben: Den Fall des zerstückelten Jonathan H. aus Leipzig. Von Christian Reinartz

Tristan Brübach wurde 1998 in Frankfurt ermordet.

Das Leben von Tristan Brübach endet am Nachmittag des 26. März 1998. Erst schlägt der unbekannte Täter den 13-Jährigen extrem brutal. Danach schneidet er dem Jungen die Kehle durch. Von Ohr zu Ohr. Bis auf die Wirbelsäule. Trennt ihm dabei fast den Kopf ab. Lässt den Kleinen im Liederbach ausbluten. Danach schneidet er mit einer scharfen Klinge große Stücke Muskelfleisch aus dem Gesäß und dem Oberschenkel der Leiche. Auch die Genitalien des Jungens verstümmelt er, nimmt Hoden und Fleisch als Trophäen mit. Details, die sich beim aktuellen Fall von Jonathan H. wiederholen. Auch ihm wurden Gesäß- und Geschlechtsteile abgeschnitten. Der Kopf wurde abgetrennt und fehlt bis heute.

Details, die nicht nur die Ermittler in Frankfurt aufhorchen lassen. Die Kriminalpsychologin Lydia Benecke hat die Fälle unter die Lupe genommen und für den EXTRA TIPP analysiert. Sie hält es für möglich, dass Tristans Mörder erneut zugeschlagen hat.

In beiden Fällen scheint der Täter von sexuellen Fantasien angetrieben zu sein“, sagt Benecke: „Umso ähnlicher zwei Taten ein sehr spezielles Muster aufweisen, wie hier das Entfernen von Gesäß- und Geschlechtsteilen, umso wahrscheinlicher ist es, dass derselbe Täter am Werk ist.“

Kannibalistische Fantasie

Könnte es also sein, dass der Täter die ganze Zeit in Frankfurt oder Umgebung unerkannt gelebt hat? Dass er offenbar 13 Jahre lang nicht auffällig geworden ist, ist für die Kriminalpsychologin jedenfalls nicht ungewöhnlich. „Ein solcher Täter könnte Jahre lang die erste Tat beispielsweise als Masturbationsfantasie benutzen, bis ihm die Erinnerung nicht mehr reicht.“ Benecke: „Das Abtrennen weicher Teile wie der Geschlechtsorgane und des Gesäßes kann der Ausdruck eines bestimmten Fetisches sein. Das bedeutet, der Täter fühlt sich durch diese abgetrennten Körperteile sexuell erregt. Er könnte sie aufbewahren und einlegen oder trocknen. Das wäre dann ein nekrophiler Fetisch. Oder verspeisen, was eine kannibalistische Fantasie wäre. Manchmal findet ein Täter auch beides erregend.“ Letztendlich könne man auch hier einem Trugschluss aufliegen. Wenn nämlich zwei unterschiedliche Täter ähnliche sexuelle Fantasien hätten.

Lydia Beneckes Fazit: „Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um denselben Täter handelt, steigt mit der übereinstimmenden Anzahl der auffälligen Leichenverstümmelungen. Andererseits sind Leichenzerstückelungen gar nicht so selten. Wie groß die Übereinstimmungen an den beiden Leichen wirklich sind, wurde bisher nicht im Detail bekannt gegeben. Nur mit dieser Information lässt sich aber genau beurteilen, ob es sich letztendlich um denselben Täter handelt.“

Wer mehr über die Psychologie von Verbrechen erfahren möchte, kann Kriminalpsychologiekurse bei Lydia Benecke besuchen. Infos unter www.benecke-psychology.com.

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