Jochen Partsch ist der erste grüne Oberbürgermeister einer Großstadt in Hessen

Zeitenwende in Darmstadt

Darmstadt - Am Morgen danach klingt er wie einer, der kräftig gefeiert hat. „Stimmt“, sagt Jochen Partsch, „und ich habe wenig geschlafen, aber gut. “ Kein Wunder: der 48-Jährige wurde am Sonntag zum ersten grünen Oberbürgermeister einer Großstadt in Hessen gewählt. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Überraschend freilich war dabei nur noch die Höhe des Sieges: 69 Prozent der Wähler, das waren 26 340 Darmstädter, kreuzten auf dem Stimmzettel den Namen des Grünen an. Das sind mehr Stimmen als seine direkt gewählten Vorgänger von der SPD je bekommen haben. Partsch weiß, dass die ein oder andere Stimme auf die AtomKatastrophe von Fukushima zurück zu führen ist, doch gute Chancen, den OB-Job zu erobern, hatte er auch vorher schon.

Partsch, seit 2006 Sozialdezernent, ist in der Stadt bekannt. Wiewohl er kein Hesse ist: Der Metzger- und Gastwirtssohn aus Langendorf an der fränkischen Saale und gelernte Sozialwirt kam der Liebe wegen nach Südhessen - auf einer Grünenversammlung hatte er die damalige Landtags- und heutige Bundestagsabgeordnete Daniela Wagner kennengelernt. Inzwischen freuen sie sich darauf, Großeltern zu werden, im Juni bekommt Daniela Wagners Tochter ein Kind.

Im Rathaus gilt er als einer, der sein Dezernat gut im Griff hat. „Ich kenne die Unternehmer genauso wie die Arbeitsloseninitiativen.“

So hoch der Sieg für ihn, so demütigend die Niederlage für Amtsinhaber Walter Hoffmann (SPD). Der sei schon sehr enttäuscht, aber auch fair gewesen, berichtet Partsch, fast ein wenig mitfühlend. Ende Juni, „rechtzeitig zum Heinerfest“, wird er Hoffmann ablösen und dann soll eine neue Ära in Darmstadt beginnen. Mehr Bürgerbeteiligung steht ganz vorne an: „Bei großen Infrastrukturprojekten werden wir die Menschen früher einbeziehen“, verspricht Partsch, „wir wollen regelmäßig Bürgerversammlungen machen, Stadteilforen entwickeln und über internetbasierte Informationswege nachdenken.“

Er selbst will auf jeden Fall die Wirtschaftsförderung übernehmen. Aber Partsch kann nicht nur schöne neue Dinge bewegen, er muss vor allem sparen. Inklusive der Kassenkredite sei der Schuldenberg auf 900 Millionen Euro gewachsen, „wir brauchen ein Entschuldungsszenario“. Bevor er seine Wähler mit Abstrichen enttäuscht, erinnert Partsch an die insgesamt zwei Milliarden Einkaufsvolumen der Stadt und der städtischen Gesellschaften, „da lässt sich einiges effizienter machen“.

Fragt sich noch, mit wem die Grünen, die bei der Kommunalwahl 32,9 Prozent der Stimmen erhielten, künftig koalieren wollen. Dazu sagt Partsch nichts. Sowohl mit SPD als auch mit CDU stehen in diesen Tagen Sondierungsgespräche an. Beide haben mit 21,3 (SPD) und 24,8 Prozent (CDU) für Volksparteien nicht allzu viel in die Waagschale zu werfen. Dass die SPD als abgewirtschaftet gilt, könnte für Schwarz-Grün sprechen. Auch das wäre neu für Darmstadt.

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