Einzigartige Aktion

Spielautomaten beschlagnahmt: Zehn Stunden Razzia in Offenbach

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Offenbach - Bei einer Razzia hat die Offenbacher Polizei nach zehn Stunden 51 Spielautomaten beschlagnahmt und angekündigt eine "ganz harte Linie" zu fahren.  

Bei einem Einsatz von Ordnungsamt und Polizei, Steueramt der Stadt Offenbach und dem bundesweiten Arbeitskreis gegen Spielsucht wurden insgesamt 51 Spielautomaten bei einer Razzia beschlagnahmt oder stillgelegt. „Wir kommen in jeden Winkel, wir finden alles – und wir kommen wieder“, betonte Ordnungsdezernent Dr. Felix Schwenke. Die konzertierte Aktion, die hessenweit zum ersten Mal stattfand und zehn Stunden dauerte, soll nun Nachahmer in anderen Großstädten finden.

Das illegale Glücksspiel ist kein Offenbacher Phänomen: „Wir verzeichnen landesweit eine dramatische Entwicklung“, sagte Wolfgang Schmidt-Rosengarten, Geschäftsführer der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen  (HLS). Die Zahl der illegalen Geräte habe sich seit 2006 verdoppelt, und die Glücksspiel-Märkte haben sich verlagert: weg von der klassischen Spielhalle, hin zu Spielcafés und Wettbüros. Auch Betreiber von Gaststätten, Kiosken und Kulturvereinen stellen vermehrt verbotene Automaten auf, die äußerst lukrative Gewinne versprechen.

Viele Betriebe besitzen keine Konzession

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„Es entsteht ein neuer Markt, der weitgehend außerhalb des geltenden Rechts liegt“, präzisiert Jürgen Trümper, Geschäftsführer des Arbeitskreises gegen Spielsucht. Viele Betriebe besäßen keine Konzession, dafür aber die illegalen Geräte. In Offenbach wurden nun 39 Etablissements kontrolliert – und in 16 davon wurden die beiden Teams fündig. 30 verbotene Automaten, etwa vom Typ einarmige Banditen, transportierten sie direkt ab; weitere 21 Geräte wurden mit Siegeln stillgelegt, weil sie beispielsweise keine Zulassung hatten.

Legale Geldspielautomaten sind von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt überprüft und gesetzlich zugelassen. Bei ihnen greift ein gewisser Spielerschutz, der Abhängigkeiten vermeiden soll. „Illegale Geräte versprechen viel höhere Gewinne und fixen dadurch die Spielersucht an“, erklärte Trümper. So wächst auch die Zahl der Betroffenen: Allein in Hessen gelten derzeit 40.000 Menschen als Glücksspiel-Süchtige, und 80 Prozent davon sind von Geldspiel-Automaten abhängig.

Offenbach "fährt ganz harte Linie"

Die Betreiber lässt das ebenso kalt wie ihr Verstoß gegen das Gesetz: „Wir treffen hier oft auf Menschen, die keinerlei Respekt vor dem Staat und seinen Regeln haben“, ärgert sich Ordnungsdezernent Schwenke. Daher sei die konzertierte Aktion nur der erste Schritt gewesen: Gegen Betrug bei Glücksspielen fahre Offenbach jetzt die „ganz harte Linie“. Das hilft im Übrigen auch im Kampf gegen die leeren Kassen: Denn die Einnahmen aus Geldspielautomaten unterliegen der Vergnügungssteuer, und durch den illegalen Markt geht hier jährlich ein sechsstelliger Betrag verloren.

Die Aufsteller der illegalen Geräte sowie die Betreiber der jeweiligen Einrichtung müssen nun mit Bußgeldern von bis zu 1.800 Euro rechnen. „Wenn sich solche Verfahren häufen, kann ein Betrieb auch geschlossen werden“, erläuterte Peter Weigand, Leiter des Offenbacher Ordnungsamts. Um wirklich effektiv gegen die – derzeit noch geduldeten – Wettbüros oder Sportbars ohne Konzessionen vorzugehen, sei aber die Unterstützung der Politik gefordert, betonte Trümper vom Arbeitskreis gegen Spielsucht. Hier könne die neue hessische Landesregierung ein Zeichen setzen.

red

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