Kommunen steht das Wasser bis zum Hals

So viele Flüchtlinge werden bei uns untergebracht

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Syrische Flüchtlinge kommen in der Erstaufnahmestation in Gießen an.

Mehr und mehr Flüchtlinge strömen zu uns. Sie suchen Schutz vor Krieg, Armut und Verfolgung. Doch die Städte im Rhein-Main-Gebiet sind überfordert, die Unterkünfte restlos überfüllt und auch die Nachbarn machen Stress. Von Fabienne Seibel

Region Rhein-Main – Die hessischen Städte schlagen wegen des zunehmenden Flüchtlingszustroms Alarm. Es fehlt an Geld und Unterkünften. Nicht nur an der Erstaufnahmestation in Gießen herrscht Chaos. Auch die Kommunen in der Region haben zu kämpfen. Denn ist erst einmal eine Unterkunft gefunden, gibt es nicht selten Stress mit der Nachbarschaft, die die Unterbringung gar nicht gut heißt.

505 Flüchtlinge im Kreis Offenbach aufgenommen

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Bis Anfang September wurden im Kreis Offenbach in diesem Jahr bereits 505 Flüchtlinge aufgenommen. 422 weitere Personen sollen Pressesprecherin Ursulah Luh zufolge bis Ende des Jahres noch folgen. Untergebracht werden die Asylsuchenden in den von den Kommunen eigenständig betriebenen Unterkünften in Hainburg, Heusenstamm, Mühlheim, Rödermark, Mainhausen, Seligenstadt, Dreieich und Langen. Auch die Flüchtlingshilfe in Egelsbach betreibt eine Unterkunft. Luh erklärt: „Weil die Unterkünfte zwischenzeitlich restlos überfüllt waren und Flüchtlinge in Hotels untergebracht werden mussten, weist der Kreis Offenbach seit März 2014 monatlich Flüchtlinge direkt den Kommunen zu, die für die Unterbringung selbst verantwortlich sind.“ Wegen der immer weiter steigenden Flüchtlingszahlen lässt der Kreis auch neue Unterkünfte in Rodgau und Seligenstadt bauen, die im Frühjahr 2015 fertig sein sollen.

Keine Kapazitäten in Darmstadt-Dieburg mehr

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 "Helfen statt heucheln"

Auch der Kreis Darmstadt-Dieburg bemüht sich, Menschen unterzubringen, die ihr Zuhause verlassen mussten. Pressesprecher Frank Horneff: „Bisher haben wir 421 Flüchtlinge in diesem Jahr aufgenommen. Bis Ende 2014 erwarten wir noch weitere 250 bis 300 Menschen. Die Flüchtlinge werden dann auf unsere 23 Städte und Gemeinden verteilt.“ Freie Kapazitäten hat auch der Kreis Darmstadt-Dieburg nicht mehr. Geplant sind Umbauten oder Neubauten unter anderem in Reinheim, Mühltal, Seeheim, Griesheim und Pfungstadt. Die Situation ist angespannt, denn Horneff erklärt: „Diese Planung sind für den Rest des Jahres leider keine Option, denn die Flüchtlinge können erst im kommenden Jahr in den genannten Unterkünften unterkommen. Wo wir die Asylsuchenden in diesem Jahr weiter unterbringen können, kann derzeit noch nicht gesagt werden.“ Im Main-Taunus-Kreis wurden in diesem Jahr bereits 672 Flüchtlinge aufgenommen. Die meisten stammen aus Eritrea, Äthiopien, Afghanistan, Somalia, Syrien und Pakistan. Die Aufnahmepflicht für den Kreis liegt bis zum Jahresende noch bei weiteren 282 Personen. Rainer Berg von der Pressestelle des Main-Taunus-Kreises: „Derzeit wird unsere Unterkunft in Kriftel mit ankommenden Flüchtlingen belegt. In Flörsheim und Kelkheim konnte der Kreis private Wohnhäuser anmieten, in denen es Platz für etwa 70 Personen gibt.“ Er sagt: „In Liederbach haben wir in einem früheren Lehrlingswohnheim der Hoechst AG einen Flügel angemietet. Der zweite Flügel der Hauses wird nun auch angemietet.“

In Bad Soden und Schwalbach entstehen Wohncontaineranlagen

Um weiteren Asylsuchenden ein Dach über dem Kopf bieten zu können, wird in Bremthal eine Gemeinschaftsunterkunft fertiggestellt, und auch in Bad Soden und Schwalbach entstehen derzeit Wohncontaineranlagen, die jedoch erst im kommenden Jahr bewohnbar sein werden. Berg zufolge bedarf es einem genauen organisatorischen Aufwand, die Flüchtlinge unterzubringen. „Die Asylsuchenden werden ungefähr eine Woche vorher mit Nationalität und Familienstand bei uns angekündigt. Die Aufnahme übernimmt dann der Sozialarbeiter, der die Betreuung in den Unterkünften sicherstellt.“ Nach den ersten Gesprächen und der Antragsaufnahme werden die Flüchtlinge in dem jeweils vorgesehenen Haus oder sogar in Pensionen und Hotels untergebracht, wenn ansonsten kein Platz da ist.

Frankfurt hat bereits 1000 Flüchtlinge aufgenommen

Die Mainmetropole Frankfurt hat ebenfalls mit den Flüchtlingszustrom zu kämpfen. Manuela Skotnik vom Dezernat Soziales, Senioren, Jugend und Recht: „Erst hieß es, dass Frankfurt im Laufe des Jahres insgesamt 800 Flüchtlinge aufzunehmen hat, inzwischen ist die Quote auf rund 1000 angehoben worden.“ Zum Vergleich: Im Jahr 2012 hat Frankfurt rund 200 Flüchtlinge aufgenommen, 2013 waren es 400. Neben den erwachsenen Asylbewerbern und ihren Kindern kommen auch minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung in Frankfurt an. Diese Jugendlichen werden in Einrichtungen untergebracht, in denen sie richtig betreut werden. Skotnik: „Leider gibt es in den Landkreisen und Kommunen nicht genügend Plätze, so dass wir in Frankfurt immer mehr Notlösungen für die Jugendlichen schaffen müssen.“

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