E r würde so gerne sein Gedächtnis löschen

Von Axel Grysczykbr /Darmstadt/Mühlheim - Ihm, dem Angeklagten Christian B., sei es unangenehm: Über seine Sexualpraktiken aufzuklären, über die Nächte mit dem Opfer zu reden. Er spricht leise, manchmal senkt er den Kopf, bittet um Verständnis, dass seine Intimsphäre auf dem Spiel steht.

Oft während der Verhandlung wandert die ausgestreckte linke Hand des gepflegten Mannes aus der Versicherungsbranche an sein linkes Ohr. So als wolle er nichts hören. Doch er muss zuhören: Wie die Gutachterin berichtet, dass eine Rotweinflasche bis zum Etikett mit einer Schicht aus verschiedenen Gleitmitteln - wie sie zum Analverkehr eingesetzt werden - bedeckt ist. Wie der Richter Volker Wagner ihn fragt, wie die Griffspuren mit Blut auf die Schlafzimmerlampe kommen. Christian B. hat dann immer eine Standardantwort: Er sei im Drogenrausch gewesen und könne sich an nichts mehr erinnern.br /Manchmal hilftâ??s nichts. Dann fällt selbst den 61 Zuschauern auf, die sich dicht auf den Zuschauerrängen drängen, dass der Täter sich widerspricht. Er gibt an, sich noch bis zum nächsten Vormittag an nichts mehr erinnern zu können. Doch nach der Nacht bei dem Opfer, die er fast liebevoll Caro nennt, räumt er bei ihr auf, packt alle seine mitgebrachten Sexspielzeuge ein, duscht, fährt zur Bank, lügt seine eigentlichen Partnerin per SMS an, um seine Liebesnacht zu vertuschen und erlangt angeblich erst danach sein Erinnerungsvermögen zurück. All die Dinge vorher, habe er wohl im Unterbewusstsein getan. Richter Wagner gibt sich keine Mühe, seinen Zweifel daran erkennen zu lassen. Auch daran, dass er nicht gewusst habe, dass die Dosis Ecstasy viel zu hoch ist, weil er doch gar keine Erfahrung mit der Droge gehabt und sie nie konsumiert hat. Auch wenn - so ließ es der Richter durchblicken - ein Gutachten zu einem anderen Ergebnis kommen wird. Widersprüchlich erscheint auch die Tatsache, dass er aussagt, das Handy des Opfers sei ausgeschaltet gewesen. Die kriminaltechnische Untersuchung ergibt aber, dass ein Anruf um 1.26 Uhr von seiner eigentlichen Partnerin, die ahnt betrogen zu werden, bewusst weggedrückt wurde.br /B. sagt, er könne einer Frau keine Gewalt antun. Nach allem Anschein hat er es aber. Er wird es nächste Woche, wenn der Prozess fortgesetzt wird, hören müssen. Auch wenn er es gern aus seinem Gedächtnis löschen würde - es bleibt für im

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