Sie wühlen im Müll der anderen

+
Ingenieur Tjardo Willhaus (links) und Student David Mittelstädt sortieren den Müll aus den Restmüll-Tonnen, nachdem im Trommelsieb kleine Teile aussortiert wurden.

Oberursel – Bananenschalen, Flaschen, Verpackungen: Durch 17. 000 Liter Müll haben sich ein Ingenieur und sein Team in Oberursel gearbeitet. Die Abfallanalyse soll klären, wie viel Biomüll in der Restmülltonne landet. Denn nicht nur Oberursel muss spätestens ab 2015 die Biotonne einführen. Von Julia Renner

Matthias Engel schaufelt den Müll von hinten in das Trommelsieb.

Im Sommer sei die Arbeit schlimmer, sagt Ingenieur Tjardo Willhaus. „Aber irgendwann macht die Nase sowieso einfach zu“, sagt er und lacht. Mit Handschuhen und Schürzen ausgerüstet, sortiert er mit seinen Kollegen Müll. 17.000 Liter haben sie dafür an ausgewählten Punkten im Stadtgebiet eingesammelt, allerdings anonym. Denn den Ingenieur interessiert lediglich das, was er im Müll findet.

In ein riesiges Trommelsieb wird der Abfall geschaufelt. Alles, was kleiner ist als vier Zentimeter, fällt dort erstmal durch und landet auf dem Boden. Daraus wird später eine Stichprobe genommen. Das Wichtigste ist für Willhaus und seine Kollegen der ganze Rest. Nach 27 verschiedenen Kategorien wird der Restmüll sortiert – ob organisch, Verpackungen, Holz oder Glas.

Das gehört nicht in die Tonnen

Immer wieder wird Müll in die falschen Tonnen geworfen. Nicola Frommknecht, kommissarische Abteilungsleiterin für Abfallwirtschaft bei BSO, sagt, was nicht in die Tonnen gehört. „In der Restmülltonne landen immer mal wieder Bauschutt, Verpackungsmüll mit grünem Punkt, kleine E-Geräte und Altmetall.“ Im gelben Sack finden sich oft Verpackungen aus Papier oder sogenannte stoffgleiche Nichtverpackungen, beispielsweise Schüsseln, für die keine Lizenzgebühr gezahlt wurde und die deshalb nicht in den gelben Sack gehören. In die Biotonne gehören weder Asche noch Medikamente oder Kleintierstreu.

Im September gab es bereits eine Abfallanalyse in Oberursel. Damals war der Anteil am Biomüll in der Restmülltonne über 50 Prozent. Nicht zuletzt auch wegen vieler Gartenabfälle.

Die gibt es im November kaum noch. Wie viel Prozent Bio jetzt noch in der Tonne gelandet sind, lässt sich allerdings erst in rund zwei Wochen sagen. Dann hat Tjardo Willhaus alle Daten am Computer ausgewertet.

Ab 2014 soll die Biotonne in Oberursel eingeführt werden. „Wir werden das massiv bewerben und wollen auch die Bürger beteiligen“, sagt Nicola Frommknecht, kommissarische Abteilungsleiterin für Abfallwirtschaft bei Bau und Service Oberursel (BSO). Noch gebe es bei einigen Oberurselern Zweifel, gerade wegen der Geruchsbelästigung. Dass die Biotonne kommen muss, schreibt das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz vor: „Spätestens ab dem Jahr 2015 müssen flächendeckend Bioabfälle sowie Papier-, Metall-, Kunststoff- und Glasabfälle getrennt gesammelt werden,“ heißt es dort. In den meisten Städten und Gemeinden im Hochtaunus gibt es derzeit noch keine Biotonne. Lediglich Kronberg hat sie bereits, Usingen macht derzeit einen Feldversuch. Im Main-Taunus-Kreis haben Kriftel, Liederbach, Bad Soden und Hattersheim im Moment noch keine Biotonne.

Mehr zum Thema

Kommentare