Die Gesichter des Krieges

World Vision: Syrienkrise belastet zunehmend den Libanon

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Verletzt, verängstigt, traumatisiert: Eine Mutter mit ihren drei Kindern hat Zuflucht in einem Flüchtlingscamp im Libanon gefunden.

Friedrichsdorf – In Syrien herrscht die dramatischste humanitäre Lage der Welt. Das Kinderhilfswerk World Vision fürchtet dazu um die Stabilität im Libanon. Von Dirk Beutel

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Seit zwei Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Häuser liegen in Trümmern, die Infrastruktur ist zerstört. Das Gesicht des Krieges tragen die syrischen Kinder. Viele von ihnen wurden getötet oder von Mörsergranaten verwundet. Andere wurden als Kindersoldaten rekrutiert, wie viele es sind, weiß niemand genau.
Etwa eine Million Kinder sind auf der Flucht. Die meisten retten sich in den Libanon. Dort hilft Kinderhilfswerk World Vision in Friedrichsdorf mit über 200 Helfern beim Aufbau der Flüchtlingslager. Im Focus steht der Aufbau von sanitären Anlagen und der Frischwasseraufbereitung, um mögliche Seuchen zu verhindern. In Syrien selbst herrscht die schlimmste humanitäre Lage der Welt. Nahrungsmittel- oder Medikamententransporte können wenn überhaupt nur unter schweren Bedingungen ihre Ziele erreichen. Wenn es die Sicherheitslage oder künstlich geschaffene bürokratische Hürden überhaupt möglich machen. „Dass wieder der politische Weg eingeschlagen wurde, ist eine gute Nachricht. Ein amerikanischer Militärschlag wäre katastrophal“, sagt Ekkehard Forberg, Friedensexperte bei World Vision.

Die Lage droht zu eskalieren

Trotzdem: Die Flüchtlingsströme ebben nicht ab. Vor allem die Grenzgebiete im Libanon und in Jordanien sind extrem betroffen. Der Libanon macht den Mitarbeitern des Kinderhilfswerkes aus dem Taunus Sorgen: „Der Libanon selbst leidet. Das Land musste jahrelang einen Bürgerkrieg ertragen. Falls die Lage in Syrien weiter eskaliert und die Flüchtlingsströme nicht abreißen, droht dort ein Flächenbrand“, sagt Forberg. Der Libanon hat etwa 4,4 Millionen Einwohner, offiziell wurden rund 500.000 Flüchtlinge aufgenommen. Tatsächlich wird die Zahl doppelt so hoch geschätzt. Folge: Immer weniger Platz für Flüchtlinge und steigender Argwohn gegen sie.

Ausbildung für Flüchtlingskinder

World Vision engagiert sich besonders in sogenannten Kinderschutzzentren in den Flüchtlingslagern, die mehr an Zeltstädte erinnern. Dort wird versucht, die Kinder aus dem Alltag herauszuholen. Sie sollen helfen traumatische Erlebnisse verarbeiten können. Es gibt auch ein Schulangebot, vor allem für die Grundschüler. „Die Ausbildung dieser Kinder darf nicht vergessen werden, sonst verlieren sie ihre Zukunft“, sagt Forberg, der sicher ist, dass der Wiederaufbau nach Kriegsende Jahre dauern wird. „Deshalb ist es so wichtig, die heutige Jugend aufzufangen und aufzubauen.“ Ein großes Problem für die Helfer: 70 Prozent der Flüchtlinge leben in Gastgemeinschaften, bei Bekannten, Freunden oder Verwandten und können nicht erreicht werden. Und: Viele syrische Eltern sind mittellos. Forberg: „Die Not ist so groß, dass die Tochter so früh wie möglich verheiratet wird, um das Familieneinkommen aufzustocken.“

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