So wollen Damen nicht auf die Toilette müssen

+
So geht‘s: Das kleine Bild zeigt, wie ein Frauen-Urinal genutzt wird.

Frankfurt – Neun Wochen lang konnten sich Frauen mal wie Männer fühlen. Zumindest auf der Toilette in der B-Ebene der Hauptwache. Dort wurden zwei Urinale für Frauen getestet – mit ernüchterndem Ergebnis. Von Julia Renner

Unter dem Motto „Damenwahl“ rührte die Stadt Frankfurt kräftig die Werbetrommel für die Frauen-Urinale. Plakate und sogar eigens organisierte Hostessen warben bei Frauen in der B-Ebene für die neuartigen Toiletten. Groß war das Interesse allerdings nicht. Als „ernüchternd“ beschreibt Mark Gellert vom Planungsdezernat das Ergebnis. 1237 Frauen haben die kostenlosen Urinale genutzt. Was sich zunächst viel anhört, relativiert sich schnell, wenn eine andere Zahl zum Vergleich genannt wird: Insgesamt haben 16.500 Frauen die Toiletten an der Hauptwache genutzt. Also haben lediglich 7,5 Prozent der Klo-Besucherinnen die beiden Urinale ausprobiert.

Als erste Stadt in Deutschland habe Frankfurt die Urinale für Frauen auf öffentlichen Toiletten getestet, sagt Gellert. „Wir wollten es mal probieren. Wir hatten keine Vorstellung, wie es wird“, sagt der Sprecher des Planungsdezernats. Immerhin: Wer sich auf die neuen WCs traute, war begeistert. Von den 1237 Nutzern würden 1013 die Urinale wieder nutzen. Nur 85 gaben an, dass sie es nicht mehr machen würden.

Auf den Probelauf eingelassen hatte sich die Stadt Frankfurt, weil Männer und Frauen gleichbehandelt werden sollten. Während Männer für den Pissoir-Besuch nämlich nichts zahlen müssen, müssen Frauen in jedem Fall die Geldbörse zücken. Auch der Umweltaspekt spielte eine Rolle. Denn beim Spülgang auf einem normalen WC werden sechs bis zehn Liter verbraucht. Beim Frauen-Urinal fällt dieser Wasserverbrauch weg. Finanziell habe dieser Wasserverbrauch aber kaum Auswirkungen, sagt Gellert.

Mit dem Ende der Testphase steht endgültig fest: „Die Urinale werden nicht flächendeckend eingeführt“, sagt Mark Gellert. Die beiden Urinale wurden bereits wieder abmontiert und gegen herkömmliche WCs ausgetauscht.

Gekostet hat der Test die Stadt Frankfurt übrigens nichts. Denn der Hersteller hatte die beiden Toiletten kostenfrei zur Verfügung gestellt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare