Städte planen auf Autopilot

Wissenschaftlerin Martina Klärle erklärt die Stadt der Zukunft

+
Nicht mehr nur bloße Zukunftsmusik: Bauanträge sollen nicht mehr von Menschen, sondern von einer künstlichen Intelligenz bearbeitet werden.
  • schließen

Region Rhein-Main – Entscheidungen treffen in Zukunft intelligente Computer statt das menschliche Hirn – so sieht die Zukunft aus! Zumindest was städtebauliche Entwicklung und Infrastrukturen betrifft. Doch es geht nicht nur um Technik, sondern auch um soziale Aspekte. Von Dirk Beutel

Wenn es um Städteplanung geht, sollen Entscheidungen in Zukunft nicht mehr von Menschen, sondern öfter von intelligenten Computern abgewogen und vereinfacht gesteuert werden. Energieeffizienz, Gebäudetechnik, Mobilität, Versorgungs- und Entsorgungsinfrastrukturen werden in den Städten der Zukunft, den so genannten Smart Cities, davon betroffen sein. „Dadurch können Bauanträge wesentlich schneller bearbeitet werden“, sagt Martina Klärle, Dekanin des Fachbereichs Architektur, Bauingenieurwesen und Geomatik an der Frankfurt University of Applied Sciences. Kein Wunder: 80 Prozent moderner städtebaulicher Ideen würden nicht umgesetzt. Klärle: „Die Planung dauert oft einfach zu lange, manchmal überholen sich die Vorschläge auch selbst.“

Künstliche Intelligenz soll öfter zum Einsatz kommen

An Klärles Fachbereich untersuchen etwa 30 Experten die Entwicklungen urbaner Städte. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in urbanen Zentren. Die UN schätzt, dass es bis 2050 sogar bis zu 75 Prozent sein sollen. Dazu kommt, dass man bei bestimmten Fragen den Menschen tatsächlich nicht brauche. Wie hoch gebaut werden darf? Wie weit darf der Abstand zum Nachbargelände sein? Diese Antworten soll künftig eine künstliche Intelligenz geben. Allerdings fehlt es hierbei noch an der rechtlichen Grundlage für die Umsetzung.

Doch da sollen die Aufgaben der künstlichen Intelligenz noch lange nicht enden: Beim öffentlichen Nahverkehr könnten Computer anhand von Bedarfszahlen errechnen, welche Linien wann fahren und dadurch den Fahrplan optimieren.

Effektivere Müllentsorgung dank Sender an den Tonnen

Das gilt auch für die Müllentsorgung: Wenn eine Mülltonne voll ist, erkennt das ein Sender, der die Information an den Entsorgungsbetrieb weiterleitet und damit seine Routen besser planen kann. Schon jetzt gebe es dieses System in Frankfurt.

Klärle betont, dass diese Zukunft auch Risiken in sich birgt: „Es kann zu Programmierfehlern oder zu Missbrauch kommen, alleine schon dadurch, dass man weiß wann sich wie viele Menschen an einem Ort befinden. Deshalb muss ein solches System absolut sicher sein.“

Es darf keine Verliererquartiere geben

Sicher sein, müsse laut der Bundestagsabgeordneten Ulli Nissen und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die beide am Mittwoch an der Frankfurter Hochschule über die Stadt der Zukunft sprachen, dass sich Städte der Zukunft nicht in Gewinner und Verliererquartiere aufspalten.

Dazu gehöre auch, dass mehr Wohnraum entstehen müsse, gerade in attraktiven Ballungsräumen wie etwa Frankfurt. Umso wichtiger sei das Programm Soziale Stadt, dessen Finanzmittel von der Bundesregierung gerade auf rund 150 Millionen Euro pro Jahr verdreifacht wurden.

Mehr zum Thema

Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

Kommentare