„Wir wollen hier richtig Theater machen“

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Die Kartons sind gepackt, jetzt muss auch das Eingangsschild dran glauben: Die Clownabsolventen Patrick Passehr, Helga Knöbl und Julian Nort (von links) beim Abtransport.

Mainz/Hofheim – Wer sich zum Clown lassen machen möchte, der muss in Zukunft nach Hofheim-Lorsbach. Denn dort werden in der privaten staatlich anerkannten Berufsfachschule „Schule für Clowns“ ab September neue Narren-Talente ausgebildet. Von Dirk Beutel

Achtung Hofheim: Jetzt wird´s schräg. Denn diese Schule verlagert ihren Unterricht gerne auch mal nach draußen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, einen Dorfdeppen zu spielen. Kein Witz: Ohne Geld oder Ausweis müssen Clown-Schüler sich eine Banane, einen Bindfaden und eine Plastiktüte organisieren. Wer das schafft, bindet den Faden um die Banane und zieht sie hinter sich her, in der anderen Hand trägt er die leere Tüte. Doch damit nicht genug. Als Höhepunkt muss der Schüler mitten in der Öffentlichkeit lauthals ein vorher zugewiesenes Motto schreien. Absolvent Julian Nort erinnert sich: „Ich musste ‘Ich will nicht mehr’ brüllen“. Das kann dann schon mal damit enden, dass ein Schüler von der Polizei abgeführt wird.

Julian Nort hat gerade frisch seine Ausbildung zum Clown abgeschlossen. Ebenso wie Patrick Passehr. Die beiden sind echte Diplom-Clowns. Zwei Jahre dauert die Ausbildung, um ein staatlich anerkannter Clown zu werden. Wer das Diplom will, muss noch ein Jahr zusätzlich dranhängen.

Die Clownschule wird ab September ihre Schüler in Hofheim-Lorsbach ausbilden.

Patrick Passehr und Julian Nort haben mit ihrer Clownausbildung ihren Traumberuf verwirklicht. „Mich haben schon als kleiner Junge die Sketche mit Dieter Hallervorden oder Mister Bean fasziniert“, sagt Passehr. Ein klassisches Schauspielstudium war ihm zu steif. Eine Rolle nach Drehbuch zu spielen war nichts für ihn: „In der Clownschule gibt es keine vorgegebenen Rollen. Die Figuren kommen aus einem selbst.“Und dabei hilft die Ausbildung der Clownschule, die seit 1994 ihren Sitz in Mainz hatte und die gerade dabei ist, in die ehemalige Gaststätte „Zum Löwen“ nach Hofheim-Lorsbach zu ziehen. Semesterbeginn wird im September sein.

Mehr Infos und Kontakt im Internet auf der Seite www.clownschule.de.

Schulleiter Michael Stuhlmiller will in dem neuen Domizil das Angebot der Clownschule erweitern und prophezeit: „Wir wollen hier richtig Theater machen.“ Nicht nur auf den Straßen Hofheims, sondern auch in der Schule selbst. „Zu unserer Schule für Clown, Komik und Comedy und unserer offenen Werkstattbühne werden wir ein komisches Theater, ein Theaterlokal und zweimal die Woche ein Kindertheater veranstalten“, sagt Stuhlmiller. Daher werden der große Saal und die kleineren Säle nicht nur für Proben und Unterricht der Clownschule genutzt werden.

Stuhlmiller freut sich auf die neue Heimat seiner Schule und kündigt an, dass die Mitglieder des Vereins Clownpfleger, wie auch in Mainz, Alten- und Behinderteneinrichtungen besuchen werden. So ähnlich wie Patrick Passehr: Der frischgebackene Diplom-Clown hat heute noch einen Auftritt in einem Frankfurter Pflegeheim. „Ich werde einen singenden Charmeur spielen.“

Am 1. September beginnt die erste Lorsbacher Ausbildungsklasse. Derzeit sind auch noch Plätze frei. Wer sich bewerben will, kann im September einen Probemonat absolvieren und dann in die Ausbildung übernommen werden.

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