Kommt der Wein bald vom Acker?

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Kellermeister Jürgen Kronenberger kann über 700.000 Liter lagern.

Es ist kühl und rund um die bis zu zehn Meter hohen Edelstahltanks steigt ein angenehmer Geruch in die Nase – der Duft von Wein. In dem Weinkeller der Odenwälder Winzergenossenschaft können über 700. 000 Liter Wein in Edelstahltanks und Holzfässern gelagert werden. Von Silke Gottaut

Doch wenn die EU-Kommission den Anbaustopp für Weinreben aufhebt, ist es fraglich, ob die Winzergenossenschaft die vielen Tanks noch brauchen wird. „Dann gehen Klein- und Mittelbetriebe kaputt“, sagt Jürgen Kronenberger, Kellermeister der Odenwälder Winzergenossenschaft. Durch die Massenproduktion von Weinen gibt es dann zu viel Wein. „Und keiner will mehr unseren Qualitätswein."

Seit 1976 gilt das sogenannte Rebpflanzrecht. Wer Rebstöcke setzen will, muss Pflanzenrechte erwerben und darf diese nur auf den vorhandenen Weinlagen anbauen. Verfällt das Gesetz, können Landwirte auf jedem beliebigen Acker Weinreben anpflanzen. Winzerverbände wehren sich gegen die Abschaffung des Gesetzes. Für die Bauern würde es ein lukratives Nebengeschäft werden.

Nicht nur die Kulturlandschaft verschwindet. Sondern auch immer mehr der Qualitätswein, da es dann mehr Tafelwein geben wird.“ Tafelwein ist kostengünstiger zu produzieren und somit auch günstiger im Einkauf. Die Winzer pflanzen ihre Reben auf Steillagen an, weil dort die Sonneneinstrahlung besser ist, als auf flachen Flächen. Sie benötigen jedoch dafür auch spezielle Maschinen für die Steillagen, die die Landwirte dann nicht brauchen.

Zur Zeit liefern rund 140 Mitglieder aus einer 48,5 Hektar großen Rebfläche den Traubenmost an die Odenwälder Winzergenossenschaft. „2011 war ein sehr gutes Jahr“, sagt Kronenberger. Über 477 Tonnen Trauben wurden vergangenes Jahr in den Weinbergen gelesen. „Das ergaben 391.000 Liter Wein“, freut sich Kronenberger. Nicht nur Weinfreunde von der hessischen Bergstraße kommen zu ihm, um Wein zu kaufen. Sondern auch aus Frankfurt, Offenbach und Hanau. Von den 22 verschiedenen Weinsorten wird so viel verkauft, dass die Genossenschaft erst kürzlich weitere sechs Hektar Anbaufläche dazu gekauft hat.

Ein kleiner Trost: Sollte das EU-Recht durchgesetzt werden, bleibt den Groß-Umstädter Winzern das Prädikat „Deutscher Qualitätswein“ erhalten. Und wird sich so vom Tafelwein der Bauen abheben.

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