Seniorin friert

Drei Winter ohne Heizung

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Ingeborg Onongaya vor ihrer kaputten Heizung. Die 62-Jährige wusste sich nicht zu helfen, suchte auf eigene Faust bisher vergebens nach einem neuen Brenner.

Babenhausen – Ingeborg Onongaya muss seit drei Wintern schon ohne eine funktionierende Heizung auskommen. Die Reparatur kann sich die Sozialhilfe-Bezieherin nicht leisten. Und den Weg zum Amt hat sie bisher gescheut. Von Dirk Beutel

Das Leben hat es nicht immer gut gemeint mit Ingeborg Onongaya. Die mehrfache Mutter hat bereits einem Schlaganfall getrotzt, den Brustkrebs besiegt und auch mehrere Knie-Operationen konnten den Lebensmut der 62-Jährigen nicht brechen.

Vier Pullover, zwei Hosen und zwei Paar Socken

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Trotzdem muss sie sich jetzt wieder warm anziehen. Und das ist wörtlich gemeint: Vier Pullover, zwei Hosen und zwei Paar Socken trägt Onongaya, um es einigermaßen warm zu haben. Nur ein winziger Elektroheizlüfter und ein kleiner Heizteppich spenden etwas Wärme. Für ein bisschen Geborgenheit sorgt nur Schmuse-Kater Felix. Und das jetzt schon seit drei Wintern, seit die Öl-Heizung der Frau endgültig den Geist aufgegeben hat.

Seit 13 Jahren lebt Onongaya nun schon in dem Häuschen ihrer Mutter, die selbst im Altenheim lebt. Dort hatte früher immer noch ihr handwerklich begabter Sohn nach dem Heizapparat gesehen. Doch der ist mittlerweile nach Amerika ausgewandert. Seither kümmerte sich ihr Ex-Mann um die Anlage. Das ging eine Weile gut, bis die Heizung ausgerechnet im Winter vor drei Jahren kaputt ging. Die Folge: Die extreme Kälte brachte ein Wasserrohr zum platzen, sodass das Wohnzimmer überschwemmt wurde.

Suche auf eigene Faust

Eine Reparatur der Öl-Heizung kann sich die Sozialhilfe-Bezieherin nicht leisten. Immer wieder versuchte der Ex-Mann die Anlage zum laufen zu bringen. Ohne Erfolg. Auf Hilfe von ihrem zuständigen Sozialamt hat Onongaya dabei nicht gezählt und aus Frust gar nicht erst angerufen. „Weil ich genau weiß, dass mein Antrag abgelehnt wird“, sagt die 62-Jährige. Statt dessen suchte die Seniorin auf eigene Faust nach einem Ersatzteil für ihre Heizungsanlage.

Dabei haben Hartz-IV-Bezieher die Möglichkeit, je nach Einzelfall, ein zinsloses Darlehen oder sogar einen Zuschuss für eine Heizungsreparatur zu bekommen. Doch Onongaya bekommt kein Hartz IV. Sie zählt zu den Beziehern der Hilfe zum Lebensunterhalt (HzL) und glaubte von vornherein, dass sie keine Unterstützung erwarten könne.

Hoffnung auf Hilfe

Beim Landkreis weiß tatsächlich niemand von dem Fall. Aber: „Bei Beziehern von Hartz IV werden unabweisbare Reparaturkosten für ein selbst bewohntes Wohneigentum entweder als Zuschuss oder Darlehen übernommen. Dies hängt von der Höhe der monatlichen Unterkunftskosten und der Reparaturkosten ab. Und auch wenn die Dame HzL-Bezieherin ist, kann es Darlehen oder Zuschuss geben“, sagt Frank Horneff, Sprecher des Landkreises Darmstadt-Dieburg.

Dafür müsse Onongaya einen Antrag auf Übernahme der Reparaturkosten stellen und müsse mindestens zwei Kostenvoranschläge vorlegen. Onongaya: „Ich versuch´s. Wenn ich jetzt tatsächlich Hilfe bekäme, würde ich im Dreieck springen.“

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