Er will "Staudinger 6" stoppen

"Nur" ein Kohlekraftwerk, dachte Winfried Schwab-Posselt, als er 2000 samt Familie nach Hainburg zog. Zuvor - in Frankfurt-Griesheim - war ein Chemie-Werk der Nachbar. 1993 und 1996 kam es dort zu Störfällen, die Bevölkerung wurde in Mitleidenschaft gezogen. Da erschienen die fünf Blöcke von Staudinger in Großkrotzenburg  harmlos.

Aber dann: E.ON will 1,2 Milliarden Euro für den Bau eines sechsten Blocks investieren. Ein 180 Meter hoher Kühlturm wird das sichtbarste Zeichen der geplanten Modernisierung sein. Zumeist unsichtbar hingegen die Schadstoffe.br /"Ständig wird vom Klimaschutz geredet. Aber hier soll in ein paar Jahren mehr CO2 ausgestoßen werden als jetzt. Es gibt doch Alternativen zu Kohle und Atom", meint Schwab-Posselt. Hinzu käme eine Mehrbelastung an Schwefel- und Stickoxiden. Gesund ist das nicht. "Aber E.ON will uns mit seinen Daten vorgaukeln, wir wären in einem Luftkurort", spitzt er zu. Viele Ärzte haben sich dem Protest angeschlossen.br /Dennoch ein Kampf David gegen Goliath. Das schreckt den Lehrer nicht ab. Er will den Energieriesen in die Knie zwingen.Gründung der Bürgerinitiative (BI), Infoabende in der gesamten Region, ein Sternmarsch mit mehreren tausend Teilnehmern und die Sammlung von 30.000 Unterschriften gegen den Bau von "Staudinger 6". "Die Leute sind nicht mehr so leichtgläubig", sagt Schwab-Posselt. Die Unterstützung der Stadt Hainburg hat er. Bereits im Februar lehnte die Gemeindevertretung den Bau ab. Den bisher größten Erfolg feiern die Ausbaugegner im Spätsommer. Die Landesregierung reagiert auf die Proteste. Sie ordnet ein Raumordnungsverfahren an. Dadurch kann E.ON den geplanten Baubeginn in diesem Herbst nicht mehr halten. Zwölf bis 18 Monate dauert die Prüfung beim Regierungspräsidium Darmstadt. Ausgang ungewiss.Schwab-Posselt und die BI lassen nicht locker. Denn E.ON will im Mai mit dem Bau eines neuen, geschlossenen Kohlelagers beginnen. 125 Meter Durchmesser soll es haben. Ein zweites ist geplant. Das Regierungspräsidium hat die Baugenehmigung erteilt, die Städte Hainburg und Hanau gehen dagegen gerichtlich vor."Hier sollen keine Fakten geschaffen werden", betont Schwab-Posselt. Der Kampf geht weiter.

br

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