Windräder sorgen für viel Wirbel

Von Norman KörtgeGroß-Umstadt - Nicht nur darüber reden und diskutieren, sondern planen und realisieren. Das zeichnete Wolfgang Schlander und Jochen Ohl schon vor mehr als zehn Jahren aus, als sie die ersten beiden Windräder auf den Binselberg oberhalb von Groß-Umstadt bauten.

Der Ansporn damals wie heute: Etwas für die Umwelt und erneuerbare Energien tun. Deshalb wollen sie den Windpark weiter ausbauen. Doch was vor einem Jahrzehnt niemanden störte, ruft jetzt den Widerstand einer Bürgerinitiative (der EXTRA TIPP berichtete) auf den Plan.

Der Groß-Umstädter Jochen Ohl kann viele internationale Vereinbarungen und nationale Gesetze und Verordnungen aufzählen, in denen es um den Einsatz von erneuerbare Energiequellen, CO2-Ausstoß und Klimaschutz geht. "Von der internationalen wird alles auf die nationale Ebene heruntergebrochen und dann weiter auf die Regionen", erklärt Ohl und blickt zusammen mit Wolfgang Schlander auf eine große Deutschland-Karte. Dort sind die bestehenden Windkraftanlagen verzeichnet. Bis auf den Standort in Groß-Umstadt ist im weiten Umkreis Windrad-Niemandsland. "Dabei sind die Höhenzüge ideal", sagt Ohl.

Dass Windkraft in der Region eine Chance hat, sehen die beiden durch die in den vergangenen zehn Jahren erbrachte Leistung der knapp 100 Meter hohen Windräder als erwiesen an. 2.500 bis 3000 Megawatt-stunden Strom würden sie pro Jahr liefern. Genug um etwa 800 Haushalte zu versorgen.

Proteste habe es 1999 bei der Errichtung der Windräder nicht gegeben, sagt Wolfgang Schlander. Vielmehr hätten viele Groß-Umstädter damals sogar Anteile bei der Windpark Binselberg GmbH gezeichnet, um den umweltfreundlichen Strom zu fördern und sechs bis acht Prozent Rendite zu verdienen.

Dass sich jetzt vornehmlich im Ortsteil Raibach unterhalb des Binselberges Widerstand formiert, können Schlander und Ohl nur bedingt nachvollziehen. Schlander, der selbst in Raibach wohnt, hat bislang persönlich noch keine negativen Aussagen gehört, auch wenn in den Zeitungen stehe, dass der Großteil der Raibacher gegen den Ausbau ist.

"Es ist sicherlich die Größe", meint Ohl, "die bei einigen Ablehnung hervorrufe." Denn die neuen Räder erreichen eine Höhe von 179 Metern und müssten deshalb nachts auch mit blinkenden Warnlampen kenntlich gemacht werden. Dafür sollen sie pro Jahr auch 9000 Megawattstunden Strom liefern. Dass Windräder die Landschaft "verspargeln", sei Geschmackssache, meinen die beiden. Die Türme eines Kohlekraftwerks wie in Großkrotzenburg oder eines Atommeilers wie in Biblis sind auch kein schöner Anblick. Man müsse das ganze im Hinblick auf Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit als Chance sehen, sagt Ohl.

Der Zeitplan dafür steht: Das privat finanzierte Acht-Millionen-Euro-Projekt ist genehmigt. Spätestens im Oktober sollen die Rodungsarbeiten auf dem Binselberg beginnen. Wenn dann alles im Zeitplan bleibt, würden im Herbst 2010 die neuen Windräder erstmals umweltfreundlichen Strom liefern. (siehe Kommentar Seite zwei)

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