Er will auch als Toter werben

Offenbach – Es ist Ostern. Christen feiern weltweit die Auferstehung Jesu Christi. Auch für Gunther von Hagens, dem Schaffer der umstrittenen Körperwelten-Ausstellung, die derzeit in Offenbach zu sehen ist, hat das Osterfest eine besondere Bedeutung. Von Norman Körtge

Warum Menschen ihren Körper spenden wollen, lesen Sie hier.

„Für mich ist es die Auferstehung des befleischten Leibes“, sagt Gunther von Hagens im Interview mit dem EXTRA TIPP. Gerade die aktuelle Ausstellung in Offenbach, Kaiserstraße 39, ist ein gutes Beispiel dafür, denn bislang seien selten „so viele und so lebendige Plastinate an einem Ort“ zu sehen gewesen, wirbt der 65-Jährige. „Wenn ich der Papst wäre, würde ich sagen: Kommet her und erfreut euch an den Wundern des Leibes“, spricht der Anatom. Er und seine Frau Angelina Whalley werden das Osterfest in China verbringen, wo von Hagens Tochter ein Institut für Tierplastinationen betreibt.

Er denkt sich den Körper in Scheiben

Eine Leiche spielt Saxofon.

Gunther von Hages selbst plastiniert Leichen und deren Organe nicht mehr selbst. Er leistet allerdings die Kopfarbeit. „Ich denke mir neue Trennebenen in die Körper und Organe hinein und schreibe dazu Präpartionspläne“, berichtet er. Die Arbeiten an den Plastinaten kontrolliert er ständig. Ihm ist es wichtig, dass Menschen als auch Tiere anatomisch korrekt plastiniert werden und sie in mitreißenden Stellung dargestellt werden können. Gerne bringt er zwei oder drei Leichen mit Posen in Verbindung. So zum Beispiel das Flamenco tanzende Paar oder die beiden Leichenpaare, die Sex miteinander haben.
„Offenbach hat den Mut, dass ich die Sex-Plastinate zeigen darf“, berichtet er. Gunther von Hagens findet es bedenklich, dass in Deutschland immer sehr schnell zum Verbot gegriffen werde und dadurch zensiert würde. „Das ist ein Armutszeugnis deutscher Demokratie“, sagt er. Bei seinen Ausstellungen im Ausland habe er solche Erfahrungen nicht machen müssen. Kritisieren und diskutieren dürfe man, aber nicht verbieten.

Werbung aus dem Jenseits

„Ich habe keine postmortale Eitelkeit“, sagt Gunther von Hagens von sich selbst. Seine Nachwelt soll entscheiden, wie er erhalten bleibt. Seine Frau könne sich vorstellen, dass er als Ganzkörperplastinat am Ausstellungseingang die Besucher begrüßt. „Vielleicht bespreche ich auch noch ein Band“, so von Hagens. Dann könne er auch noch aus dem Jenseits für Körperspender werben. Sein Sohn hingegen möchte, dass er mit Hut in Scheiben geschnitten wird. „So könnte ich an verschiedenen Orten gleichzeitig sein“, erzählt der 65-Jährige.

Rubriklistenbild: © extratipp.com

Kommentare