Stadtteilserie

Wilhelm Bender rettet Rödelheimer Geschichte

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Wilhelm Bender zeigt auf das Petrihaus.

Frankfurt – Die Augen von Professor Doktor Wilhelm Bender beginnen zu leuchten. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Fraport AG erzählt an einem kalten Februarmorgen an dem wohl ältesten Ginkgobaum Deutschlands gelehnt die Geschichte des Rödelheimer Petrihauses. Von Enrico Sauda

Bender ist in Rödelheim aufgewachsen. „Meine Eltern zogen hierher, als ich etwa fünf Jahre alt war“, erinnert er sich. Schräg hinter dem kleinen Petrihaus im idyllischen Brentanopark, unmittelbar an der Nidda, befindet sich der Kindergarten, den Bender besuchte. „Gebaut wurde es um 1720. Es gehörte dem Rödelheimer Bäckermeister Johannes Petri – daher der Name.“ Mit seinem rustikalen Charakter zählt das Petrihaus einerseits zum Typ des romantischen Schweizerhäuschens, wie es im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert Mode war, aber es finden sich auch spätklassizistische Elemente. 1926 wurde der gesamt Besitz der Brentanos an die Stadt verkauft und in den 1950er Jahren im Haus und auf dem Gelände des Petrihauses der Betriebshof der Stadtentwässerung angesiedelt. Bis 1968 diente es dem Leiter des Betriebshofes als Wohnung, danach wurde es nicht mehr genutzt und verfiel, es verkam zur Ruine.

Gemeinsam für das Petrihaus

Das konnte und wollte Bender nicht akzeptieren. Deshalb gründete er Ende der 90er Jahre einen Förderverein. „Dieses Haus ist das letzte Relikt der Brentanofamilie, besonders des Bankierszweiges.“ Der 66-Jährige rührte die Werbetrommel im Bekanntenkreis und fand etliche Mitstreiter, die bereit waren, etwas für den Erhalt zu tun. Zu ihnen gehört auch Manfred Englert, heute Geschäftsführer des Fördervereins, der Bender schon von seiner Tätigkeit bei der Bahn her kannte. „Es war ein langer Prozess, aber wir haben keine Schulden gemacht. Und immer nur dann gearbeitet, wenn Geld da war“, erinnert sich Englert.

Mit viel Liebe zum Detail gingen die Akteure dabei vor. Bender erinnert sich, dass in einer Textpassage eine Verwandte Brentanos sich an die Tapete erwähnte, die einen der Räume des Hauses schmückte. „Der Architekt hat dann bei den Arbeiten einige Tapetenschichten abgeschabt bis er die richtige gefunden hatte.“ Diese ließen die Macher dann originalgetreu nachgestalten.

Renovierung hat 1,4 Millionen Euro gekostet

Peu a peu nahm das Haus wieder Gestalt an, bis es etwa vor sieben Jahren fertig war. „Wir haben insgesamt mehr als 1,4 Millionen Euro in die Renovierung gesteckt“, rechnet Bender vor und fügt hinzu: „Der Unterhalt kostet pro Jahr rund 30. 000 Euro.“ Geld, dessen Investition sich lohnt, denn dieses Gebäude wertet den Park auf und es finden viele Veranstaltungen und Feste statt.

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