Vom Eichhörnchen bis zur Amsel

Wildtierhilfe päppelt gefundene Tierbabys wieder auf

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Alle zwei Stunden müssen die jungen Eichhörnchen mit der Spritze gefüttert werden.

Rödermark –  Blutige Näschen, gebrochene Pfötchen: Fallen junge Eichhörnchen aus ihren Nestern, sind sie oft auf die Hilfe des Menschen angewiesen. Doch der sorgt durch Fällarbeiten für noch mehr Findel-Hörnchen. Von Franziska Jäger

Auch Amselnestlinge und andere Vögel gehören zu den Findelkindern.

Eichhörnchen Lucky ist der Sturz aus den Baumwipfeln noch anzusehen. Ein hungriger Vogel zerrte das Jungtier aus dem Nest, riss ihm dabei das Ohr ab. Lucky landete auf dem Asphalt, hatte ein schweres Schädelhirntrauma. Seit fünf Monaten wird er in der Wildtier-Auffangstation von Tanja Schäfer in Rödermark aufgepäppelt. Bald darf er zurück in die Wälder.

Wenn nun die Eichhörnchen wieder Junge bekommen und die Baumfällarbeiten beginnen, rechnet Schäfer mit weiteren kleinen Patienten: „Die Bäume werden ohne Rücksicht auf die Nester gefällt. Diese stürzen dann mit dem Nachwuchs zu Boden. Verletzten sich die Eichhörnchen dabei oder kühlen aus, kümmert sich die Mutter nicht mehr.“ Schäfer hat schon Hörnchen mit blutigen Schnauzen, gebrochenen Pfötchen und Gehirnerschütterungen bei sich aufgenommen. Aktuell pflegt sie drei winzige Baumfäll-Hörnchen, wie sie sie nennt.

Wasser kann kleine Vögel umbringen

Nicht immer besteht gleich Handlungsbedarf, wenn ein sogenannter Kobel (Fachbegriff für ein Eichhörnchennest) abgestürzt ist. Sind die Jungen unverletzt, kann eine Rückführung zur Mutter gelingen. Die holt ihre Babys innerhalb kurzer Zeit und bringt sie in einen Ersatzkobel. Lässt sie sich zunächst nicht blicken, müssen die Tiere warm gehalten werden, mit Wärmflaschen oder Kirschkernkissen. Der Eichhörnchen-Mutter macht der menschliche Geruch an ihrem Nachwuchs nichts aus.

Die Eichhörnchen Wolle und Lucky hatten Glück.

Eichhörnchen sind auch zu deutlichen Hilferufen fähig. „Wenn Jungtiere auf Menschen zulaufen und an ihnen hochklettern, sind sie ohne Mutter und brauchen dringend Wasser oder Futter“, sagt Schäfer. Die Tierschützerin rät aber, sich vorher zu informieren, bevor kleine Säugetiere mitgenommen werden. „Gerade bei jungen Feldhasen, die einfach nur auf die Rückkehr ihrer Mutter warten, irren sich die Leute oft.“Unwissenheit führt bei der Tierrettung nicht selten zum Tod. Etwa im vergangenen Sommer, als die Jungvögel vor der Hitze aus den Nestern flohen und zu Boden stürzten. „Die Leute versuchten, den gerade geschlüpften Vögeln Wasser zu geben. Die können aber noch nicht schlucken. Das Wasser gerät dann in die Lunge. Und auch von Hackfleisch, Gelbwurst und Würmern als Futtermittel ist dringend abzuraten“, sagt Schäfer.

An einem der heißen Wochenenden wurden gleich 40 Mauersegler in ihre Station gebracht. Nicht nur dann ist das Ehrenamt enorm zeitaufwendig: „Die Vögel müssen jede Stunde, die Säugetiere alle zwei Stunden von mir gefüttert werden“, sagt Schäfer, die sich allein um die Hörnchen, Waschbären oder Siebenschläfer kümmert. Die Tierarztkosten zahlt sie aus eigener Tasche. Hilfe bräuchte sie dringend beim Transport der Tiere, denn vom Fundort abholen kann sie sie aus Zeitgründen nicht. Eichhörnchen Lucky darf bald aus dem Haus in die Gartenvoliere am Waldrand umziehen. Tanja Schäfer wird dann die Tür offen stehen lassen. Ab und zu wird sich Lucky vielleicht noch im Garten blicken lassen. Irgendwann wird er dann aber in den Baumkronen verschwunden sein.

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