Veterinäramt erteilt keine Erlaubnis

In der Wildtierarche müssen Igel draußen bleiben

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Der Platz ist da, doch das Okay vom Veterinäramt fehlt: Petra Kipper, Leiterin der Wildtierarche in Rodgau zeigt die mögliche Quarantänestation für Igel.

Rodgau - Die Wildtierarche in Rodgau wird überregional geschätzt. Doch heimische Igel darf der Verein und seine Pflegestation nicht aufnehmen, weil das Veterinäramt ein Prüfungsverfahren offenbar aussitzt. Von Dirk Beutel

Sie hat den Willen, die Sachkenntnis und mehr als genug Platz: Petra Kipper ist mit ihrer Wildtierarche in Rodgau eine wichtige Adresse für den Tierschutz im Kreis Offenbach. Seit über 20 Jahren kümmert sie sich ehrenamtlich um kranke Wild- oder Jungtiere, päppelt sie wieder auf. Sogar für die Polizei, Feuerwehr und Tierärzte ist sie Ansprechpartnerin Nummer eins wenn es um Wildtiere oder Exoten geht. Doch wer heimische hilflose Igel bei Kipper abgeben möchte, wird derzeit enttäuscht.

Prüfungsverfahren zieht sich in die Länge

Denn trotz einer Erlaubnis der Arche, Tiere aller Art in einer tierheim-ähnlichen Einrichtung aufnehmen zu können, verweigert das Veterinäramt des Kreises Offenbach der vierfachen Mutter die Aufnahme von Wildschweinen, Fledermäusen und eben auch Igeln. Das Problem: Die Erlaubnis muss immer neu beantragt werden. Und die Bearbeitung zieht sich hin. Nach Angaben des Kreises kann die Bearbeitung bis zu vier Monaten dauern. Und mehr noch: „Die Antragsbearbeitung kann bei schwierigen Prüfverfahren um maximal zwei Monate verlängert werden“, sagt Kreis-Sprecherin Ursula Luh. Geprüft werde vom Veterinäramt, ob der Antragsteller zuverlässig ist, über Fachkenntnisse verfügt und die geeignete Räume hat, um die Tiere tiergerecht unterzubringen. Seit Ende August musste Kipper schon über 80 Mal eine Igel-Aufnahme ablehnen und an die Wildtierfreunde Hanau verweisen. Dort wurden mittlerweile um die 200 Igel abgegeben. „Das ist enorm. Und es kommen jeden Tag mehr dazu“, sagt die Vereinsvorsitzende Sonja Niebergall.

Viele wissen nicht wohin mit hilflosen Igeln

Schon vor Wochen ahnte Kipper wie dringend Platz für die stacheligen Vierbeiner gebraucht werde. Deshalb reichte sie eine Sachstandsfrage hinsichtlich ihres Antrages beim Veterinäramt ein. Sie blieb bislang ohne Ergebnis. „Mit geht es geht um das Überleben der Tiere, aber aktiver Tierschutz wird einem im Kreis extrem schwer gemacht.“ Das gilt auch für diejenigen, die kranke oder unterernährte Igel finden und sie in gute Hände geben wollen. So wie Yvonne Simmer aus Steinheim. Ihre Tochter fand vier Igelwaisen. Jeder einzelne wog nicht mehr als 200 Gramm. „In der freien Wildbahn hätten die Winzlinge nicht überlebt“, sagt Simmer. Dass sie die Tiere nicht in der Wildtierarche abgeben könne, bedauert sie: „Viele wissen nicht wohin mit den Tieren, weil sie nicht den Platz haben. Und nirgendwo im Kreis Offenbach kann man Igel in Pflege geben.“ Die Arche wäre so eine Adresse. Zumindest konnte der Verein Yvonne Simmer mit Tipps und Hinweisen zur Pflege der Tiere helfen. Zum Antragsverfahren von Petra Kipper wollte sich der Kreis nicht äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.

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