Keiner will die haben

Wilde Katzen leben seit Jahren in Schrebergarten - Vermittlung schwierig

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Scheu, aber süß: Die Katzen auf dem Grundstück in Oberrad.
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Frankfurt – Seit Jahren hat eine Schar wild lebender Katzen einen Schrebergarten in Oberrad erobert. Jetzt droht den Tieren der Rausschmiss, denn der Pachtvertrag des Grundstücks läuft aus. Von Dirk Beutel

In den Großstädten werden sie nicht gesehen. Sie bewegen sich fast unsichtbar. Über unsere Straßen, durch unsere Gassen und unsere Wälder: Herrenlose verwildert lebende Katzen. Einige davon haben einen Schrebergarten in Oberrad erobert.

Mit der Zeit wurden es immer mehr

Katzenjammer in Oberrad. Dort haben herrenlose Katzen einen Schrebergarten erobert. Angefangen hat alles mit der Tierliebe einer alten Dame, die sich einer umherstreunenden Katze in ihrem Schrebergarten angenommen hatte. Doch mit der Zeit wuchs die Katzenpopulation an und der Frau über den Kopf. Trotzdem fütterte die Tierfreundin auch mit 80 Jahren bis zu ihrem Tod. Seit Februar hat ihre Tochter das Füttern der mittlerweile noch zehn Katzen übernommen. Doch es droht weiterer Ungemach: Der Pachtvertrag des Grundstücks läuft zum Ende des Jahres aus.

Christina Ranziger sind die Sorgen anzusehen. Denn die Tierheime sind voll und die Vermittlungschancen für scheue Katzen sowieso. Die 43-Jährige kannte die alte Dame, der der Schrebergarten offiziell noch gehört und den Katze als Rückzugsgebiet dient. Noch. Immerhin: Der Frankfurter Katzenschutzverein hat 2010 alle Katzen kastrieren lassen.

„Das ist nur ein winziger Bruchteil von dem, was in Frankfurt herrenlos auf der Straße herumläuft“, sagt Ranziger: „Und die nur wenigsten werden versorgt wie hier.“

Nächster Vermittlungsversuch startet im Oktober

Einen Teil des Katzenfutters bezahlt der Tierschutzverein „Straßentiere in Not“, dem sich Ranziger angeschlossen hat. „Bisher sind alle Versuche die Tiere erfolgreich zu vermitteln, gescheitert“, sagt die Vorsitzende Judith Jungschaffer, die sich mit ihrer Stellvertreterin Tatjana Seifert ein Bild vor Ort macht. „Die Katzen müssen offenbar den Umgang mit Menschen gewohnt sein, schließlich lassen sie sich von uns nicht beim Fressen stören“, sagt Ranziger, die selbst zwei Katzen hat: „So lässig sind nicht mal meine daheim.“

Spätestens im Oktober soll der nächste Vermittlungsversuch gestartet werden, denn so oder so können die Katzen dort nicht bleiben. Einzige Hilfe kommt aus dem Tierheim Nied. Deren Vorsitzende Petra Decken hat zugesagt etwa drei Katzen vorerst aufzunehmen. Ein Anfang.

Trotzdem drängt die Zeit. Vor allem wenn der bisherige Pachtvertrag nicht verlängert wird, verlieren die Katzen auch noch ihre tägliche Futterstelle.

Wer sich für eine der Katzen interessiert kann sich bei Judith Jungschaffer unter Telefon (06257) 83251.

Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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