Das Fazit nach einer Woche Winter in Frankfurt

Wintereinbruch in Frankfurt: Bahnen, Flughafen und Störche außer Kontrolle

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Der Wintereinbruch in Frankfurt legte die Straßenbahnen lahm.

Region Rhein-Main – Hunderte Menschen warteten vergeblich auf die Straßenbahn, Fluggäste am Frankfurter Flughafen schauten genervt auf die Anzeigetafeln und das Gehen wurde zur Schlitterpartie. Der Winter hatte das Rhein-Main-Gebiet in der vergangenen Woche fest im Griff. Von Fabienne Seibel

VGF-Frankfurt-Pressesprecher Bernd Conrads hatte in den vergangenen Tagen viel um die Ohren. Eisregen, Schnee und Minusgrade setzten den Straßenbahnen schwer zu. Am vergangenen Sonntag mussten wegen vereister Oberleitungen 45 Linien in Frankfurt abgesetzt werden. Für ausgefallene Linien setzte die VGF Ersatzbusse ein. Conrads hat für die Beschwerden der Fahrgäste nur wenig Verständnis, denn er sagt: „Zu glauben, man könnte so einen massiven Ausfall mit Ersatzbussen auffangen, geht völlig an der Realität vorbei. Das derzeitige Wetter ist ein Phänomen, dem man ausgeliefert ist.“ Seit Einsetzen der Kälte mussten die zugefrorenen Oberleitungen der Frankfurter Straßenbahnen per Hand enteist werden. Für die Zukunft denkt die VGF über den Einsatz von Enteisungsfahrzeugen nach.

1150 Flüge annulliert

In Folge des Eisregens mussten am Flughafen Frankfurt von Sonntag bis Dienstag rund 1150 Flüge annulliert werden. Bereits 24 Stunden nach Einsetzen des Eisregens wurden 300.000 Liter Flächenenteisungsmittel für die Vorfelder eingesetzt und Flugzeuge mussten mithilfe von rund 200.000 Litern Flugzeug-Enteisungsmittel bearbeitet werden. Die Einsatzpläne des Personals für Winterdienst und Passagierbetreuung wurden verlängert, sodass für viele Mitarbeiter der Feierabend erst später begann. Außerdem hat der Flughafen 500 temporäre Übernachtungsmöglichkeiten in den Terminals geschaffen und die betroffenen Fluggäste mit Wolldecken, Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln ausgestattet.

800 Tonnen Streusalz an drei Tagen

Die FES-Frankfurt war am vergangenen Montag mit ihrer ganzen Flotte unterwegs. 350 Mitarbeiter und 150 Fahrzeuge wurden eingesetzt, um die glatten Straßen sicherer zu machen. Allein von Sonntag bis Dienstag wurden hierzu zirka 800 Tonnen Streusalz benötigt. „Das ist auf jeden Fall mehr als wir im Januar letzten Jahres gebraucht haben, denn im Moment haben wir einfach das Problem mit dem Eisregen und den gefrorenen Böden. Genügend Streusalz haben wir aber, keine Sorge“, sagt FES-Pressesprecherin Stephanie Pieper.

Storch verhungert

Auch für die Tierwelt ist das eisige Wetter ein Problem. Bernd Zürn vom BUND in Flörsheim berichtet, dass er bereits an Weihnachten vergangenen Jahres Störche gesichtet hat. Wegen des bis dahin milden Wetters kamen die Tiere viel zu früh nach Deutschland zurück. Am vergangenen Montag fand Zürn einen erschöpften Storch, den er mit nach Hause nahm, um ihn mit Futter zu stärken. Am nächsten Tag übergab er das Tier der Vogelschutzwarte in Fechenheim, wo der erschöpfte Vogel jedoch später verendete.

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Die anderen gesichteten Störche leben derzeit auf dem Deponiegelände Flörsheim, doch der Schnee ist für die Tiere lebensbedrohlich: „Störche ernähren sich hauptsächlich von Mäusen, doch die geschlossene Schneedecke macht es unmöglich, an Beute zu kommen. Auch für Greifvögel, die ihre Nahrung aus dem Boden beziehen, ist der Schnee sehr gefährlich. Es könnten ganze Populationen von zum Beispiel Eulen wegbrechen.“

Keine Gefahr für Obstbäume

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Für die Obstbauern im Vordertaunus kam der Wintereinbruch zur richtigen Zeit. „Obwohl es vorher die meiste Zeit mild war, haben die Pflanzen noch nichtausgetrieben. Ein bisschen später wäre kritischer geworden“, berichtet Holger Henrich vom „Obsthof am Berg“ in Kriftel. In Erinnerung hat er allerdings den späten Frost im vergangenen Jahr, der bei der Erdbeer-Ernte zu starken Einbußen führte. Die meisten Pflanzen in den Gärten dürften den Wintereinbruch auch gut überstehen, meint Baumschulinhaber Michael Picard aus Mühlheim. Zum einen schützte die Schneeschicht, zum anderen sei die Frostperiode nicht lange genug, um Schaden anzurichten. Problematisch wären langer Frost und Sonnenschein. Dann trocknen Pflanzen aus. „Menschen können Eiswürfel lutschen, Pflanzen nicht“, beschreibt Picard die Situation.

Laut der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach für das Rhein-Main-Gebiet ist in den nächsten Tagen zumindest tagsüber mit Tauwetter zu rechnen.

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