Wetter unter Hochspannung

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Ein Blitz ist eine Funken-Entladung zwischen Wolken oder zwischen Wolken und der Erde. In aller Regel tritt ein Blitz während eines Gewitters in Folge einer elektrostatischen Aufladung auf. Er wird vom Donner begleitet und gehört zu den Elektrometeoren.

Region Rhein-Main – Regen und Gewitter überraschten die Frauen im Kanu auf der Lahn bei Gießen. Sie legten schnell an, flohen eine Böschung hinauf. Direkt neben ihnen schlug ein Blitz in einen Holzstrommast ein. Die nasse Wiese leitete den Schlag weiter – einmal durch den Körper von Kathrin Sawatzki. Von Julia Renner und Mareike Palmy

Ich war erst ganz ruhig, wusste nur: Wir müssen hier weg“, sagt die 32-jährige Radiomoderatorin. In einer wasserfesten Box hatten die Frauen ein Handy mitgenommen, damit wählte sie den Notruf, robbte schließlich mit ihren drei Freundinnen zur Straße.

Radio-Moderatorin Kathrin Sawatzki.

Ich kann nicht sagen, dass ich große Schmerzen hatte. Das kam erst im Krankenwagen“, sagt Sawatzki. Plötzlich fühlte sie sich, „als würde ein Elefant auf meinem Brustkorb stehen“, die Haare standen ihr zu Berge, im Körper brannte alles „wie Hölle“. Hinzu kamen Herz-Rhythmus-Störungen und leichte Verbrennungen an den Beinen. „Von außen hat man aber fast nichts gesehen“, sagt Sawatzki.

Ein Blitzsensor besteht aus einem Antennensystem mit einem Antennenpaar (magnetische Antenne) und einer GPS-Antenne (zur Zeitmessung).

Passiert ist das im Mai 2003. Folgen hatte der indirekte Blitzschlag für sie kaum. Einige Jahre lang hat sie Herztabletten genommen, zweimal jährlich muss sie zum Kardiologen und Sport macht sie nur mit Pulsuhr. Aber Angst? Die hat sie trotzdem nicht vor Gewitter. „Aber Respekt, schließlich weiß ich, was passieren kann.“ Im August fährt sie wieder mit ihren Freundinnen an die Lahn zum Kanu fahren.

Jedes Jahr werden in Deutschland 40 bis 50 Menschen direkt oder indirekt von einem Blitz getroffen. Kein Wunder, sind doch laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) etwa 3000 Gewitter durchschnittlich gerade in diesem Moment irgendwo auf der Erde aktiv.

Dabei werden die Blitze sogar gezählt. Allein in Deutschland werden jährlich mehr als zwei Millionen Blitze registriert. Beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach gibt es dafür den sogenannten Blitzdatenlayer. Er sammelt die Daten von einem recht dichten Messnetz mit Blitzsensoren. Über Europa sind über 100 dieser Sensoren aufgestellt. Tritt ein Blitz auf die Erde, wird dessen elektromagnetische Strahlung vom Sensor erfasst und als Dateninformation weitergeleitet. Die Blitzsensoren können Zeitpunkt, Stromstärke, Ort und den Blitz-Typ messen. Für die Warndienste sind solche Infos sehr wichtig. In starken Gewittern gibt es schon mal um die 20.000 Blitze innerhalb einer Stunde, in einer Schwergewitterlage über Deutschland sind auch 120.000 oder noch mehr Blitze zu beobachten.

In Zukunft müssen wir uns wohl auf eine andere Wetterlage einstellen. „Die Temperaturkurve zeigt nach oben. Insgesamt hat die Durchschnittstemperatur um zwei Grad zugenommen“, weiß Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. „Auch die tropischen Nächte nehmen künftig zu. Ebenso die Häufigkeit von Starkniederschlägen“, so der Wetterexperte.

Wer Angst hat, vom Blitz getroffen zu werden, kann sich mit einfachen Tipps schützen. Der Professor Fritz Siemsen von der Frankfurter Goethe-Uni beschäftigt sich seit Jahren mit Blitzen. Wer unterwegs ist, sobald das Gewitter beginnt, sollte sich von allem, was in den Himmel ragt, fernhalten. Wer sich nirgends unterstellen kann, solle sich hinhocken, die Füße eng aneinander gestellt. Und bloß nicht dem bekannten Spruch „Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen“ folgen. „Der Spruch ist irreführend“, warnt der Professor.

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