Wenn Migranntinen Frauen lieben            

+
Zwei mexikanische Frauen küssen sich auf einem Christopher Street Day. Wenn es nach NAHAL-Initiatorin Simin Jampoolad geht, zeigen in Zukunft mehr nicht-deutsch-stämmige Frauen ihre Liebe zueinander öffentlich.

Frankfurt – Gefängnis, Flucht und ein Outing vor der siebenjährigen Tochter: Was Simin Jampoolad erlebt hat, klingt wie ein Drehbuch für einen Film. Die 55-Jährige ist eine Kämpferin, die sich seit Jahren für andere einsetzt, besonders für Lesben, die aus fremden Ländern stammen und in Deutschland leben. Hilfe und Rat finden sie bei NAHAL, einem monatlichen Treffen im Frankfurter Frauenloft. Von Jennifer Dreher

Jampoolad selbst floh 1987 aus dem Iran. Damals spürte sie schon, dass sie anders ist, hatte aber bereits zwei Töchter. Weil sie sich in ihrer Studienzeit als Kommunistin gegen die Regierung aussprach, landete sie im Gefängnis. Heute sagt die Diplom-Sozialpädagogin, dass das für ihre Eltern schlimmer gewesen sei, als dass sie lesbisch ist. „Ich war und bin der Ansicht, dass man immer seinen Mund aufmachen sollte. Die Konsequenzen nimmt man dann so hin, wie sie sind“, sagt sie und nippt an einem Glas Wasser.

Nicht alle Muslime verurteilen Lesben

Sie ist Atheistin, bedeckt ihre kurzen gelockten Haare nicht mit einem Kopftuch, wie es in ihrem Heimatland üblich wäre. „Es ist ein Vorurteil, dass Muslime abweisend auf Lesben reagieren. Sie sind sehr neugierig, stellen mir viele Fragen und sie nehmen mich so, wie ich bin“, berichtet sie.

In ihrer Tätigkeit bei der deutsch-iranischen Beratungsstelle hat sie auch mit Flüchtlingen und Migrantinnen zu tun, die nicht lesbisch sind. Dort macht sie auch Werbung für die Gesprächsgruppe NAHAL. Nicht jede Migrantin sei bereit gewesen, Flyer, auf denen für NAHAL geworben wird, weiterzugeben. Sie wollten keine Werbung fürs Lesbischsein machen, wie Jampoolad erklärt. Zwei seien aber sogar selbst in die Gruppe gekommen, die sich das nächste Mal am Sonntag, 25. Juli, um 16 Uhr im Cafébereich des Frauenlofts in der Hohenstaufenstraße trifft.

Jampoolad kennt die Probleme der lesbischen Migrantinnen

NAHAL stammt aus dem Arabisch-Persischen und heißt „Steckling“, eine Art Pflanzen-Ableger, aus dem bei guter Umgebung, Erde und Pflege eine neue Pflanze entsteht. „Wir sind in der Region die einzige Stelle, die den Frauen ein spezielles Angebot bietet, bei der auch ihr kultureller Hintergrund und ihre speziellen Probleme berücksichtigt werden“, erklärt Jampoolad.

Sie selbst, die Jahre lang in verschiedenen Asylbewerberheimen lebte, bevor sie nach Frankfurt kam, habe ein solches Angebot vermisst und es deswegen ins Leben gerufen – zunächst 1999 und dann nach einer vierjährigen Pause wieder im Sommer 2009. Ab September wird es neben NAHAL zusätzliche Angebote und Unterstützung geben. Telefonische Beratung, Einzelgespräche, offene Treffs und eine Paarberatung sind geplant. „Der Bedarf ist gerade hier in der Region groß“, weiß Jampoolad.

Sie kennt die Probleme, die speziell Frauen aus dem Ausland belasten. „Jetzt habe ich einen deutschen Pass, aber mit dem Asylpass habe ich mich mehr identifiziert, weil ich seit jeher keine richtige Heimat habe“, sagt die 55-Jährige.

Ihre Tochter akzeptiert, dass die Mutter eine Frau liebt

„Meine Tochter hatte anfangs Angst, dass mir jemand etwas antun würde“, erinnert sich Jampoolad. Auch habe ihr ihre Tochter vorgeworfen, dass es schwer genug sei, als Ausländerin akzeptiert zu werden. Dass die Mutter lesbisch ist, sei eine weitere Belastung für die Familie gewesen. Als sie sich vor ihrer Familie outete, war ihre Tochter sieben, heute ist sie 25 Jahre alt und hat mittlerweile kein Problem mehr damit, dass ihre Mutter eine Frau liebt.

Kommentare