Experten empfehlen Elektroschocker und Hasendraht

Bissig: Wenn der Marder im Auto wütet

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Ein Marder beißt sich durch.
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Wenn das Auto nicht mehr einwandfrei fährt, kann ein tierischer Gast die Ursache sein. Marder gehen auch im Winter auf Streifzug und zerbeißen Schläuche und Kabel. Der EXTRA TIPP zeigt, was die Tiere alles anrichten und warum das so gefährlich ist. Von Oliver Haas

Cornelius Blanke vom ADAC Hessen-Thüringen warnt vor den Folgeschäden durch Marderverbiss: „Angebissene Zündkabel können zu unrundem Motorlauf führen. Sofern der Motor nicht ohnehin abstirbt, sollte man ohne Diagnose nicht weiter fahren, da unverbrannter Kraftstoff den Katalysator schädigen kann.“ Neben Zündkabeln hätten es die Tiere auch auf Kühlwasser- und Scheibenwasser-Schläuche abgesehen. Auch an Faltenbälge an Antriebswellen und an der Lenkung sowie an Stromleitungen knabbern die Tiere. Immerhin haben die Marder auf Bremsschläuche, Kraftstoffleitungen, Keilriemen und Reifen laut ADAC keinen Appetit.

Motor kann nach Attacke im Sparprogramm laufen

Tückisch: Wenn sich der Marder durch die Gummimanschetten beißt, dann machen sich diese Beschädigungen während der Fahrt nicht sofort bemerkbar. „Erst durch das folgende Eindringen von Schmutz und Wasser sowie durch den Verlust der Fettfüllung kommt es zur Schädigung der Antriebs- und Achsgelenke sowie gegebenenfalls der Lenkungsteile. Werden Kühlwasserschläuche mit den spitzen Zähnen gelöchert, dann führt der Verlust der Kühlflüssigkeit zu einer Motor-Überhitzung. Und der Verbiss von Unterdruckschläuchen kann zum Leistungsverlust führen, sodass der Motor in das Notlaufprogramm wechseln kann.“ Hat man erstmal Marderspuren gefunden, etwa Pfotenabdrücke auf der Motorhaube oder Nahrungsreste und zerfetzte Gummiteile, dann empfehlen Experten eine Autowäsche. Denn auf Duftspuren reagieren andere Mardermännchen häufig mit besonderer Beiß-Wut. Deshalb werden Autos, die oft den Standort wechseln, überdurchschnittlich oft von Mardern heimgesucht. Im Infokasten rechts stehen Tipps, wie man sich die Plagegeister von Anfang an vom Auto fernhalten kann.

Versicherungen übernehmen keine Folgeschäden

Zirka 15.000 Mal muss der ADAC pro Jahr zu Pannen fahren, die auf das Konto der flinken Tiere gehen. „Auch im Winter ist der Motorraum für den Marder ein willkommenes Rückzugsgebiet.“ Allerdings ist vor allem das Frühjahr, wenn Paarungszeit ist, die größte Gefahr, dass das Auto Opfer einer Marderattacke wird.

Einige Versicherungsanbieter übernehmen die Reparaturkosten aufgrund von Marderschäden. Doch Achtung: „Ersetzt werden nur die unmittelbar beschädigten Teile, nicht die Folgeschäden. Zieht etwa ein zerbissener Kühlwasserschlauch einen Motorschaden durch Überhitzung nach sich, dann sind nur die Kosten für den Schlauch abgedeckt“, so Blanke.

Was hilft, was ist nur Geldverschwendung?

Es kursieren reichlich Ratschläge, wie Marder vom Motor des Autos fern gehalten werden. Doch welche sind empfehlenswert?

Duftstoffe: Ob Hundehaare, WC-Steine, Abwehrsprays, Duftsäckchen oder Mottenkugeln: Alles sinnlos! Oft genügt schon eine Fahrt bei Regen und der Duftstoff wird abgewaschen. Noch entscheidender: Die Marder gewöhnen sich schnell an die üblen Gerüche. Beim WC-Stein besteht außerdem die Gefahr, dass er sich verflüssigt und Aluminiumteile im Motorraum angreift.

Ultraschallgeräte:  Diese Geräte strahlen Töne mit ständig wechselnder Frequenz aus, die der Mensch nicht hören kann. Das soll den Marder verjagen. Produkte, die etwas bringen sollen, kosten 130 Euro und sind schnell verbaut. Billigere Produkte, die auf Frequenzwechsel verzichten, versprechen wenig Erfolg, denn die Tiere gewöhnen sich an das gleiche Geräusch.

Elektroschocker: Das Prinzip ist bekannt von Weiden mit Elektrozaun. Dort wo der Marder am Motor einsteigt, werden metallische Kontaktplättchen ausgelegt, die unter Spannung stehen. Tritt der Marder drauf, dann bekommt er einen leichten Stromschlag und sucht das Weite. Träger von Herzschrittmachern sollten die Kontaktplättchen aber lieber nicht berühren. Mit Einbau kostet dies zwischen 200 und 300 Euro.

Hasendraht: Kostengünstiger und auch tierfreundlicher ist die Variante, dass man einen einen Meter mal einen Meter großen Hasendraht mit Dachlatten an den Rändern verstärkt und diesen zwischen Vorderreifen und Motorblock legt. Wenn das Tier darauf läuft, dann ist es so verunsichert, dass es Reißaus nimmt. Nachteil ist freilich, dass man den Marderschreck immer wieder auf- und abbauen muss.

Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

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