Einsame Großstädter suchen bei Rosi Doebners Partys im Frankfurter Frauenloft Nähe und Zärtlichkeit

Wenn der Kuschel-Akku mal leer ist

Frankfurt – Teilweise wildfremde Menschen treffen sich in einem Hinterhaus in der Hohenstaufenstraße zum Gruppenkuscheln. Sie alle eint eins: Die Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit. Die Berlinerin Rosi Doebner sorgt dafür, dass sich die Teilnehmer näher kommen, aber keine Grenzen überschreiten. Denn bei diesen Partys hat Kuscheln nichts mit Sex zu tun. Es geht um Berührungen, die auch die Seele streicheln. Von Jennifer Dreher

Der Weg zu den Kuschelpartys führt über ein dunkles, graues Treppenhaus. Hinter einen tristen Stahltür finden Kuschelbedürftige das Frauenloft. Es riecht nach Tee und Duftkerzen. Im Eingangsbereich versammeln sich nach und nach die Teilnehmer der Kuschelparty. Manch einer zieht sich noch schnell bequemere Kleidung an.

Die trägt auch Ramona aus Offenbach: Ein orangenes T-Shirt und eine weite schwarze Trainingshose. Die 36-Jährige ist seit Jahren Single. „Meine Eltern hatten kein Verständnis dafür, dass ich mal in den Arm genommen werden wollte. Dafür wäre ich zu alt“, sagt sie. Im Internet gab sie das Stichworte „einsam“ ein und gelang über verschiedene Links auf die Webseite der Kuschelpartys.

Ich hatte Angst, dass wegen meiner Körperfülle niemand mit mir kuscheln will“, erinnert sich die Offenbacherin. Doch die anfängliche Nervosität verging schnell, als die ersten Teilnehmer Körperkontakt zu ihr suchten. Das ist zwei Jahre her. „Von da an wurde ich regelrecht kuschelsüchtig“, gesteht sie.

Damit keiner allein bleibt, gibt es vor dem dreistündigen Kuschelabenteuer eine Kennenlern-Runde und eine Aufwärmphase. „Jeder kann spontan zu den Partys kommen“, berichtet Doebner: „Meistens gibt es einen großen Teil, der das Prozedere kennt, aber es sind auch immer viele Neue dabei, die erst einmal herangeführt werden müssen“, erklärt sie.

Und es bleibt häufig nicht beim Kuscheln. Viele Beziehungen seien schon entstanden wie bei IT-Manager Rüdiger. Der 49-Jährige ist Kopfmensch. Ein Therapeut riet ihm, sich etwas zu suchen, bei dem er Nähe zulassen müsse. Damals war er Single.

Vor einem Jahr ist dann aus Kuscheln mehr geworden“, sagt er mit einem Lächeln. An diesem Freitagabend ist er aber ohne seine Freundin da. „Es ist einfach aufregend. Jeder fühlt sich anders an und berührt anders“, sagt der Aschaffenburger.

Anfangs sei er eifersüchtig gewesen, wenn seine Freundin mit anderen kuschelte, „aber ich weiß mittlerweile, dass wir beide das brauchen und akzeptiere es.“

„Kuschelsucht“ nennt Doebner das Verlangen nach Nähe. Inspiriert, Kuschelpartys zu organisieren, hat sie ein New Yorker Masseur, der in seinem Apartment zu den ersten Kuschelpartys lud – allerdings nur im Pyjama. „Das ist in Deutschland aber nicht machbar“, vermutet Doebner und setzte daher die Grundidee um – ohne Pyjamazwang. Die erste Party organisierte Doebner in ihrer Heimatstadt Berlin. Weil ihr Freund in Frankfurt lebt, gibt es die Kuschelpartys auch im Frauenloft.

Wer einmal dabei sein will: Die nächste Kuschelparty ist am Freitag, 6. November, um 20 Uhr im Frauenloft, Hohenstaufenstraße 8, in Frankfurt. Der Eintritt kostet 18 Euro. Infos unter kuschelparty.de

Kommentare