Wenn Kollegen richtig fies werden

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Schikane von den Kollegen oder sogar vom Chef kann Mobbing-Opfer zugrunde richten. An der Mobbing-Hotline Frankfurt bekommen Betroffene Hilfe.

Frankfurt – Auf dem Gang wird nicht mehr gegrüßt, die Kollegen tuscheln, die komplette Büroeinrichtung ist plötzlich verschwunden: Mobbing am Arbeitsplatz kann für die Betroffenen zur Tortur werden. In solchen Fällen hilft die Frankfurter Mobbing-Hotline weiter. Von Julia Renner

Pfarrer Gunter Volz

Susanne I. ist eine von mehr als 30 Ehrenamtlichen, die bei der Mobbing-Hotline der beiden großen Kirchen und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sitzen. Genau wie die Anrufer möchte auch sie anonym bleiben. Seit zwei Jahren nimmt sie regelmäßig Anrufe von Mobbing-Opfern entgegen und hat dabei schon so einiges zu hören bekommen. Von verschwundenen Büromöbeln, ganzen Abteilungen, die einen Einzelnen mobben, und dem zunehmenden „Bossing“, wenn der Arbeitnehmer vom Chef gemobbt wird. „Davon berichtet mittlerweile eine überwiegende Zahl der Anrufer,“ sagt Gunter Volz, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Dekanats Frankfurt.

Für Susanne I. und Gunter Volz haben sich im Lauf der vergangenen Jahre einige Tatsachen herauskristallisiert: Nicht die Faulen, sondern eher die Fleißigen werden gemobbt und je unklarer die Hierarchien sind, desto häufiger tritt Mobbing überhaupt auf. Deshalb komme das Runterputzen auch in sozialen Berufen ziemlich häufig vor. Aber auch Banker gehören oft zu den Anrufern. „Fusionsdruck kann sich beispielsweise in Mobbing entladen“, sagt Gunter Volz.

Die Frankfurter Mobbing-Hotline ist immer dienstags und donnerstags zwischen 17 und 19 Uhr erreichbar unter S  (0175) 7447425.

Weitere Informationen zum Thema gibt es auch im Internet auf der Seite www.mobbing-frankfurt.de.

Generell können die Experten sagen: „Eine typische Opferrolle gibt es nicht“, sagt Volz. Während manche nach und nach in diese Rolle gedrängt werden, geht bei anderen das Mobbing gleich schon am ersten Arbeitstag los. Oft entstehe Mobbing durch mangelndes Führungsverhalten des Chefs, sagt der Pfarrer.

Viele Anrufer sind unsicher, ob es überhaupt Mobbing ist, was ihnen widerfährt,“ sagt Susanne I. Im Gespräch werde das dann überprüft. Die Ehrenamtlichen am Telefon sind zwar geschult, eine Beratung geben sie den Betroffenen allerdings nicht. „Wir zeigen Optionen auf, verweisen weiter an Experten.“

Bereits seit 2005 gibt es die Frankfurter Mobbing-Hotline, doch Pfarrer Gunter Volz ist sicher: „Viele Opfer wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen.“

In großen Unternehmen gebe es häufig zwar Konfliktmanager. Aber das sei vielen Mobbing-Opfern zu nah dran am Geschehen, sagt Volz. Hilfe brauchen Gemobbte jedoch in jedem Fall. Volz weiß: „Mobbing richtet Menschen zugrunde.“

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