Wenn auf Beerdigungen gelacht wird, freut‘s den Freund der Bäume

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Wenn auf Beerdigungen gelacht wird, freut‘s den Freund der Bäume.

Dreieich – Trotz Kirchenaustritt eine würdige und auch religiöse Beerdigung – das ist einer der Gründe, warum Angehörige von Verstorbenen Jörg Roggenbuck anrufen. Der Dreieicher arbeitet seit mehr als zehn Jahren als freier Feier- und Trauerredner. Von Norman Körtge

Einen Talar, wie ein Pfarrer, trägt Jörg Roggenbuck nicht. „Das wäre Amtsanmassung“, sagt der 50-Jährige. Aber dies sei trauernden Angehörigen oft auch gar nicht so wichtig, wenn sie den Dreieicher als Grab- oder Trauerredner engagieren. „Sie wünschen sich einfach eine würdige Beerdigung. Je nach Wunsch in einem religiösen Rahmen oder auch ganz ohne“, berichtet Roggenbuck von seiner Berufung. Als Diplom-Theologe hat er jedenfalls das nötige Rüstzeug dafür.

Gerne wäre er auch Pfarrer geworden. Doch nach dem Studium der evangelischen Theologie in Heidelberg und seinem Vikariat in Seeheim an der Bergstraße musste er feststellen: Die Seelsorge ist sein Ding. Aber um Gemeindepfarrer zu sein, fehlen ihm einfach Managerqualitäten – sagte man ihm.

Er hat aus der Not eine Tugend gemacht

Aus der Not hat er deshalb eine Tugend gemacht. Und nachtragend ist er auch nicht. Ganz im Gegenteil. Roggenbuck ist aktives Gemeindemitglied in der evangelischen Versöhnungsgemeinde Buchschlag-Sprendlingen. Dementsprechend ist er auch nicht unbedingt froh über Kirchenaustritte, die ihm aber oft erst Kundschaft beschert.

Aber er macht sich seine Gedanken: „Viele Menschen stellen sich ihre Religion selbst zusammen. Ein Schuss Buddhismus gehört bei vielen dazu“, hat Roggenbuck beobachtet. Das kommt ihm entgegen, da er sich seit jeher mit dem interreligiösen Dialog beschäftigt. Sogar eine islamische Taufe hat er vollzogen, obwohl es im Islam so etwas gar nicht gibt. Aber es war der Wunsch der Eltern, die Geburt und die Namensgebung ihrer Tochter so zu feiern. Dazu fügte der Diplom-Theologe Suren aus dem Koran und Texte aus der Bibel passend zusammen.

Gespräch mit den Angehörigen ist besonders wichtig

Aber den Großteil seiner Arbeit machen Trauer- und Grabreden aus. Für ihn ganz wichtig ist dabei das Gespräch mit dem Angehörigen. „Mit ihnen zusammen möchte ich herausfinden, was der Verstorbene für ein Mensch war“, erzählt er von seiner Vorgehensweise. Besonders schön sei es immer dann, wenn ein bisschen Humor mit reinkommt. „Auf einer Beerdigung darf trotz aller Trauer auch geschmunzelt werden“, meint Roggenbuck.

Besonders gerne hält er seine Reden bei Beerdigungen in Friedwäldern oder Ruheforsten. „Mitten in der Natur, unter Bäumen. Das ist schon was besonderes“, sagt er. Diese Haltung spiegelt sich auch in seinem politischen Engagement wider. Er sitzt als Abgeordneter der Grünen im Dreieicher Stadtparlament. Dass er da schon mal als „Freund der Bäume“ abgestempelt wurde, stört ihn nicht. Er empfindet es als Lob. Schließlich sieht er sich auch als jemand, der Gottes Schöpfung bewahren will.

Eine willkommene Abwechslung zwischen Trauerreden und politischen Machtkämpfen wartet auf Roggenbuck im August. Dann hält er in der Pfalz eine Trauung. „Da freue ich mich drauf“, sagt der Feierredner.

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