Zu wenig qualifizierte Bewerber: Lehrstellen bleiben unbesetzt

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In den Schulen soll wieder mehr das Interesse am Elektrohandwerk geweckt werden.

Taunus – Zum 1. August und zum 1. September beginnt in vielen Betrieben und Firmen das neue Ausbildungsjahr. Offene Lehrstellen gibt es im Taunus und in Frankfurt noch jede Menge. Von Norman Körtge

Die Zahlen der Arbeitsagentur Frankfurt, die auch für den Main-Taunus- und Hochtaunskreis zuständig ist, sprechen für sich. Ende Juni waren 3377 Ausbildungsstellen offen, als ausbildungsplatzsuchend waren 2523 Menschen gemeldet. „Ist für Auszubildende eigentlich eine komfortable Lage“, sagt Brigitte Scheuerle, verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung bei der IHK Frankfurt. In der IHK eigenen Internetbörse haben rund 500 Unternehmen aus der Region ihre Suche eingepflegt. Aber Scheuerle weiß auch, dass viele Stellen unbesetzt bleiben werden.

So ist es zum Beispiel beim Konzern Procter & Gamble. An seinen Standorten in Schwalbach und Kronberg beginnt in Kürze für 40 angehende Industriekaufleute und zwei Chemielaboranten die Ausbildung. Eine Stelle als Werkzeugmechaniker und eine Stelle zum BA-Studium Mechatronik bleiben hingegen unbesetzt, weil es dafür keine qualifizierten Bewerber gegeben habe, heißt es aus der Pressestelle.

Ausbilder finden keine guten Bewerber

Dass es in den vergangenen Jahren schwerer geworden ist, geeignete Lehrlinge zu finden, kann Harald Kilb, Elektro-Obermeister für den Hochtaunus-Kreis, bestätigen. „Das Handwerk hat bei Vielen keinen hohen Stellwert mehr“, sagt Kilb. Das läge auch daran, dass den Jugendlichen in der Schule vermittelt werde, sie sollten lieber einen kaufmännischen Beruf erlernen. Kilb setzt darauf, dass in den Schulen wieder vermehrt berufsbezogener Unterricht stattfindet.

Dass für das Elektrohandwerk eine gute Schulbildung nötig ist, zeigen die Grundvoraussetzungen, die der Obermeister aufzählt: Gute Deutsch-, Mathe- und Physikkenntnisse. Ein guter Hauptschulabschluss sei ausreichend. „Rückhalt aus dem Elternhaus ist wichtig“, weiß Kilb aus Erfahrung.

Gegen eine Geringschätzung ihres Berufes kämpft auch Floristmeisterin Sabrina Brückner. Sie hat sich im Frühjahr selbständig gemacht, in Königstein ihr Geschäft „Luxus Grün“ eröffnet und bietet einen Ausbildungsplatz an. Für Viele sei die Ausbildung nur zweite oder dritte Wahl, hat sie beobachtet. „Dabei ist es ein ungemein kreativer und vielfältiger Beruf. Wer gerne mit verschiedenen Materialien arbeitet und ein Gefühl für Farbe hat, dem wird es Spaß machen“, erzählt Brückner. Sie freut sich auf Bewerbungen und gibt unter (06174) 968 396 auch gerne weitere Infos.

Offene Ausbildungsstellen gibt es auf den Internetseiten der IHK Frankfurt und der Handwerkskammer Rhein-Main.

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