DFB-Sportdirektor als Ehrengast

Weltmeister Hansi Flick besucht Turngemeinde Bornheim

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Lust auf Sport: Hansi Flick (von links) und Peter Völker unterhalten sich mit Boris Zielinski auf dem Laufband.

Frankfurt - Vom BSC Mückenloch zum Fußball-Weltmeister: Mit viel Beifall empfing die Turngemeinde Bornheim (TGB) Hansi Flick in ihrem Sportcenter. Der ehemalige Fußballspieler und amtierende Sportdirektor des DFB war am vergangenen Samstag Ehrengast beim Tag der offenen Tür.

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Der TGB-Vorsitzende Peter Völker sprach den gerade vor wenigen Tagen 50 gewordenen Hansi Flick im Interview auch auf die Fußball-Weltmeisterschaft an. „Die Festmeile in Berlin, das war schon ein tolles Gefühl, unbegreiflich. Wir spürten die enorm große Begeisterung und auch die Erleichterung nach dem Titelgewinn“, sagte Flick. Nein, er träume nachts nicht von diesem Empfang, es gehe weiter, er blicke in die Zukunft. „Aber davon zu erzählen ist schön“, gab der ehemalige Assistent von Bundestrainer Joachim Löw zu. Brasilien, „so etwas wie das Mutterland des Fußballs“, war schon etwas Besonderes. „Das Ziel, den Titel zu holen, hat uns alle angetrieben“, sagte Flick. „Das WM-Quartier Campo Bahia war wie ein kleines gallisches Dorf. Es wurde sogar irgendwann zu voll, weil nicht nur die Familien, sondern auch viele Freunde kamen. Da mussten wir dann eingreifen“, berichtete Flick. Das Klima im Team sei hervorragend gewesen. Wenn es einmal zu kritischen Situationen kam, wurde das besprochen und sei vom Tisch gewesen. Seit 2010 habe sich vieles in der Nationalmannschaft verändert. „Die Spieler, die nachrücken, sind selbstbewusst und bringen sich ein“, äußerte Flick. Trotz flacher Hierarchien brauche es aber jemanden, der entscheiden müsse.

Im Filmausschnitt „Die Mannschaft“ sahen die Anwesenden ein Buch, das nicht nur den „Masterplan“ für den Titelgewinn enthält, sondern auch Bemerkungen der Trainer und Spieler, WM-Philosophie. „Ich wusste ja, dass 2014 meine letzte WM sein würde, das Buch ist eine schöne Erinnerung.“

Selbst Busfahrer feierte mit

„Hat man bei einem 7:1 Mitleid?“, wollte Völker wissen und bezog sich damit auf den deutschen Sieg über die brasilianischen Gastgeber. „Unsere Devise hieß: Ruhig weiterspielen und nicht den Faden verlieren. Dass wir nach dem Titelgewinn nicht frenetisch gefeiert haben, gehört auch zum Respekt“, erklärte Flick. „Aber nach dem Abpfiff waren wir alle eine glückliche große Familie, bei den Bildern bekomme ich heute noch Gänsehaut. Es ist sensationell, wenn Leute, die seit Jahren im Hintergrund für das Team arbeiten, mitfeiern, so wie beispielsweise unser Busfahrer.“

Peter Völker kam nach dem WM-Rückblick auf Hansi Flicks gesamte Laufbahn zu sprechen. In 20 Jahren als Aktiver mit vielen Erfolgen gab es auch Niederlagen. „Ich habe alles erlebt. Als kleiner Junge beim BSC Mückenloch waren Gerd Müller und Paul Breitner meine Vorbilder. Ich wollte immer beim FC Bayern spielen, habe das von 1985 bis 1990 getan.“ Doch dann habe er sich verletzt, musste mit 28 seine Karriere als Profifußballer aufgeben. „Das war nicht einfach“, gestand Flick.

Seit 2003 ist er Trainer, kam 2006 zum Nationalteam und ist seit September 2014 Sportdirektor beim DFB. „Es geht darum, die Inhalte zu optimieren, wir sind gerade dabei, eine neue Spielauffassung aufzustellen. Die muss später den Spielern auch nahe gebracht werden“, sagte Flick über seine Aufgaben. Außerdem sei der Aufbau der DFB-Akademie „ein Jahrhundertprojekt“.

Er dankte zum Schluss des Gesprächs den Vereinen: „Die machen eine hervorragende Arbeit. Und wenn ich mich hier so umsehe, bekomme ich direkt Lust, aufs Laufband zu gehen.“

jf

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