Ein Weltenbummler auf Pilgertour

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Hier gönnt sich Hans Jürgen Ruhland mal eine Pause. In der Regel hält es den 59-Jährigen aber selten an einem Ort.

Friedrichsdorf – 30 Prozent Beratung, 30 Prozent Politik, 30 Prozent Reisen und Luft für weitere zehn Prozent. Der Alltag von Hans Jürgen Ruhland ist klar strukturiert, aber gewiss nicht langweilig. Vor allem dann, wenn für den Friedrichsdorfer das nächste Auslandsabenteuer ansteht.

Wo immer Hans Jürgen Ruhland hinkommt, ist seine Meinung gefragt. Ob als Stadtrat im Magistrat, als Unternehmensberater, der sein Wissen an ausländische Firmen weitergibt oder als Pilger, der an den Gedenkstätten eine Ansprache hält. „Nur in der Küche hat alleine meine Frau das Sagen“, erzählt der Friedrichsdorfer schmunzelnd.

Viel Zeit in den eigenen vier Wänden hat der 59-Jährige zuletzt nicht verbracht. Das liegt neben seiner Tätigkeit als Unternehmensberater auch an seiner großen Leidenschaft: Reisen. Umso besser, wenn sich Berufliches und Privates miteinander verbinden lassen. Ruhland verbrachte vier Wochen in Sofia, um den Besitzern einer bulgarischen Möbelhauskette bei der Eröffnung eines weiteren Geschäftes unter die Arme zu greifen. Im Auftrag der Stiftung Senior Executive Service (SES), die auf Anfrage ausländischer Unternehmen Experten entsendet, die dort ihre Kenntnisse weitergeben. Die Tätigkeit ist ehrenamtlich, lediglich die Spesen werden von der SES übernommen.

Seine Erlebnisse in Bulgarien:

Die Reise nach Bulgarien hielt für den Friedrichsdorfer einige Überraschungen bereit. Entgegen seinen Erwartungen holte Familie Perusheva, die Besitzer des Möbelunternehmens, den deutschen Geschäftsmann in einem schicken Auto mit „35er-Turbodiesel“ ab. „Da war ich schon ziemlich baff“, erzählt Ruhland. Auch die gewöhnungsbedürftigen Gepflogenheiten in bulgarischen Möbelgeschäften verblüfften den Friedrichsdorfer. Das Schild „nicht Anfassen“ warnte davor, auf Tuchfühlung mit den Möbelstücken zu gehen. Frei nach dem Prinzip: Nicht testen aber kaufen. „Bestellungen gibt es in Bulgarien nicht, alles wird sofort mitgenommen und bar bezahlt“, sagt Ruhland. Die Qualität der Ware sei vergleichbar mit dem hiesigen Standard in den 50er Jahren gewesen.

Auch nach der Eröffnung ist der Kontakt nicht abgerissen. Über Georgi Malchev, lokaler Berater des Möbelunternehmens, ist Ruhland genauestens über die Vorgänge informiert.

„Es war nicht leicht, die Besitzer davon zu überzeugen, bodenständig zu bleiben und auf einheimische Qualität zu setzen. Aber das haben sie jetzt ganz gut gemacht.“

Weitere Projekte müssen erstmal warten. Demnächst wird der 59-Jährige in einer anderen Mission unterwegs sein. Er will den Hugenottenweg bis ins französische Die zurücklegen. Als einer von wenigen Pilgern hat Ruhland bereits die drei christlichen Pilgerziele nach Rom, Santiago de Compostela und Jerusalem bestritten und dabei mehrere tausend Kilometer bewältigt. Die Strecke nach Tel Aviv – Zwischenstation auf dem Weg nach Jerusalem – absolvierte er im Flieger. „Zu Fuß hätte ich von Friedrichsdorf dorthin etwa drei Jahre gebraucht, das war dann doch etwas zuviel des Guten“, sagt Ruhland. zin

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