Weil es Frankfurter Diskotheken alleine nicht mehr schaffen

Clubs in der Krise: Jetzt werden die Partys abgegeben

+

Frankfurt – Die Frankfurter Club-Szene ist ein hartes Pflaster, Nachtschwärmer umkämpft. Wer nicht dicht machen will, setzt auf Partyveranstalter, wie den Frankfurter Sebastian Stehling. Von Angelika Pöppel

Partyveranstalter Sebastian Stehling.

„Es gibt kaum noch einen Club, der nicht auf Fremdpartys setzt“, sagt Veranstalter und Partytier Sebastian Stehling aus Frankfurt. Der 29-Jährige organisiert in Frankfurt derzeit allein vier Partys in drei verschiedenen Clubs. Für den Frankfurter ein gutes Geschäft. Für die Clubs eine Notlösung. Denn seit Jahren herrscht ein harter Kampf um die Partygäste (der EXTRA TIPP berichtete). Statt dicht machen, heißt es, ein Stück vom Kuchen abgeben. Das bestätigt auch Torge Rüsch, Inhaber des Frankfurter Skyclub. „Man muss überlegen, was mehr bringt: 150 Gäste an einem Freitagabend oder 600 Leute, mit denen ich aber nur an den Getränken verdiene?“ Die zweite Variante scheint lukrativer zu sein, denn auch im Skyclub finden regelmäßig Fremdveranstaltungen statt. „Externe Veranstalter haben sich etabliert, weil sie meist eine große Community mitbringen“, sagt Skyclub-Betreiber Rüsch. Nur der gutfrequentierte Samstag bleibt, wie im Skyclub, oft noch in Betreiber-Hand.

Der Freitag ist das Problemkind

Lesen Sie auch:

Skyclub kämpft gegen schlechtes Image

Das bietet Cocoon-Nachfolger Moon13

Insolvent und pleite: Frankfurter Clubszene im Wandel

Schwule Szene trauert um das Pulse

Endgültiges Aus für den Cocoon Club

Doch nicht alle Clubs scheinen, die Entwicklung so negativ zu sehen. Das Orange Peel setzt ganz bewusst auf die Partymacher: „Fremdveranstaltungen halte ich für sinnvoll, weil dadurch das Programm eines Clubs vielseitiger wird und kein Fokus auf eine bestimmte Zielgruppe gerichtet ist“, sagt Jesse Kaya, Geschäftsführer des Clubs. Diese Bereitschaft hat Partymacher Sebastian Stehling – mit Hang zu verrückten Masken und Kostümen – längst erkannt. Seit sieben Jahren mischt er in der Szene mit. Mittlerweile lädt er drei bis vier Mal im Jahr zur „Gong“-Party ins Zoom, bei der jede Stunde eine Überraschung wartet: Da kann es schon passieren, dass plötzlich eine Marschkapelle durch den Club zieht, Hassan Annouri rappt oder ein Artist Feuer spuckt. Doch auch mit seinen klassischen „Black Music“-Partys, bekommt er jeden Freitag das Odeon und zweimal im Monat das Cooky’s voll. „Die Leute haben keinen klassischen Stammclub mehr, sondern suchen sich die Partys aus“, sagt Stehling.

Es gibt Ausnahmen

Einer der wenigen Clubs, die komplett auf eigenes Programm setzen, ist das Travolta. „Für uns ist der rote Faden sehr wichtig. Ich denke, der Club Travolta steht für einen gewissen Vibe und der Gast weiß genau was er bei uns bekommt“, sagt Betreiber Dennis Ryan Smith.

Diese Clubs haben in Frankfurt eröffnet oder dicht gemacht

Diese Clubs haben seit 2013 dicht gemacht oder eröffnet

Hier geht´s zum Kommentar: 

"Partymachen geht mit der Zeit"

Dennoch versuchen sich immer mehr Normalos als Partymacher. „Der Eintritt geht meist an den Veranstalter, der Getränkeumsatz an den Betreiber. Dafür liegt aber auch die Werbung in der eigenen Hand“,sagt Stehling, der hauptberuflich als Account Manager arbeitet. Auf Facebook hält er seine Freunde auf dem Laufenden. Doch sein Geheimnis ist ein anderes: „Ich bin auf jeder Party dabei, auch wenn das bedeutet das ganze Wochenende zu feiern. Aber dafür stehen meine Partys.“

Kommentare