Francois Ben Hadj ist gehbehindert

Weil er behindert ist, lassen ihm Frauen keine Chance

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Francois Ben Hadj ist seit fünf Jahren gehbehindert, sein eines Bein ist steif. Seitdem hat er bei Frauen keine Chance.

Frankfurt – Weil Francois Ben Hadj im Rollstuhl sitzt, findet er keine Frau. Davon ist der 39-jährige Frankfurter überzeugt. Ausprobiert hat er schon alles. Nicht mal bei Partnerbörsen im Internet hat er eine Chance. Dort wird er wegen seiner Gehbehinderung einfach weggeklickt. Von Christian Reinartz 

Es ist für einen jungen Mann wie Francois Ben Hadj nur schwer zu ertragen: Seit fünf Jahren ist er an den Rollstuhl gefesselt und seit fünf Jahren will keine Frau mehr etwas von ihm wissen. „Es ist wie, als wenn ich aussätzig wäre“, sagt Ben Hadj und senkt traurig seinen Blick. Er habe schon alles versucht. Sei abends einfach weggegangen. In Bars oder Clubs. „Da hatte ich auch immer Erfolg“, sagt Ben Hadj, der auch einige Zeit an Krücken laufen kann. „Aber nur, weil die Frauen alle dachten, ich habe nur eine vorrübergehende Sportverletzung.“ Doch kaum erwähnt er, dass sein Bein versteift ist und sich an diesem Zustand wohl nicht mehr viel ändern wird, wenden sich die Frauen ab. Ben Hadj bleibt Abend für Abend alleine zurück. Wenn der braungebrannte Südländer das sagt, füllen sich seine Augen mit Tränen. „Es ist frustrierend, immer wieder zurückgewiesen zu werden“, sagt er. „Dabei scheint es ja nicht daran zu liegen, dass es keine Frauen gibt, die mich gut finden.“

Reaktionen sind vernichtend

Ben Hadj schwenkt um. Er meldet sich bei verschiedenen Partnerbörsen im Internet an, hofft, so die richtige Frau zu finden, die es mit ihm trotz seiner Behinderung ernst meint. „Ich habe da wirklich Hoffnung gehabt“, sagt Ben Hadj. Doch die Realität ist grausam. Interessiert zeigen sich die Frauen allemal. „Aber nur, weil ich in meinen Profilen nicht dazugeschrieben habe, dass ich gehbehindert bin, um überhaupt Kontakt zu bekommen“, gesteht Ben Hadj. Schon im ersten Gespräch kläre er die Frauen dann vorsichtig auf. „Die Reaktionen sind vernichtend“, sagt der junge Mann und lässt hoffnungslos die Schultern hängen. „Die meisten Frauen klicken mich dann einfach weg oder melden sich gar nicht mehr auf meine Nachrichten.“ Im besten Fall frage die ein oder andere noch nach seinem finanziellen Hintergrund. „Wenn ich dann sage, dass ich Frührentner bin und nicht viel Geld habe, bin ich auch für die nicht mehr interessant.“

Seine Verzweiflung ist mittlerweile der Wut gewichen. Der Wut auf eine Gesellschaft, in der nur der gesunde und vor allem wirtschaftlich erfolgreiche Mensch etwas zählt. „Alle reden immer von Inklusion und davon, wie man Behinderte besser in die Gesellschaft integrieren kann“, sagt Ben Hadj. „Wenn’s aber um eine Beziehung geht, will auf einmal keiner was mit uns zu tun haben.“

Trost spenden ihm derweil seine beiden Katzen Nemo und Bella. „Sie sind immer für mich da. Und für die bin ich nicht weniger wert, nur weil mein Bein steif ist.“

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