Weihnachten im Krankenbett

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Während Pflege-Abt eilungsleiter Markus Schmidt die Festtage zu Hause verbringt, feiern Patient Norbert Schweikart und Diakonisse Johanna Achenbach die besinnlichen Stunden im Krankenhaus

Frankfurt – Gänsebraten, Spaziergänge, Kaffee und Christstollen am festlich gedeckten Tisch mit der Familie: Während so Weihnachten bei vielen aussieht, müssen einige Kranke auch diese besinnlichen Stunden im Krankenbett verbringen. Um sie kümmert sich Diakonisse Johanna. Von Andreas Einbock

Farbig, aber dennoch monoton, wirkt das Krankenzimmer. In der Schrankwand läuft der Fernseher. Seit drei Wochen verbringt Norbert Schweikart die Tage im Krankenbett. Der 80-Jährige muss eine Wunde am Zeh behandeln lassen und nimmt den Aufenthalt im christlich geprägten Krankenhaus Sachsenhausen gelassen. „Ich muss mir seit 30 Jahren Insulin spritzen. Aber das mit meinem Fuß passt mir so überhaupt nicht in den Kram“, sagt der Frankfurter und fügt hinzu: „Doch neben der guten Versorgung sind die Gespräche mit den Ordensschwestern sehr erholsam für mich.“

Diese in der Weihnachtszeit intensiveren Unterhaltungen führt auch Diakonisse Johanna Achenbach mehrmals täglich mit den Patienten. Die Oberin ist Chefin des Seelsorgeteams, zu dem 17 weitere Diakonissen gehören und das von fünf Diakonen unterstützt wird.

Zum Fest der Liebe allein im Krankenhaus

„Die Leute öffnen sich uns gegenüber mehr als früher. Das liegt auch daran, dass heutzutage viele Menschen mehr enttäuscht sind über ihre Lebensgestaltung und familiäre Situation“, sagt die Oberin, die seit über 40 Jahren Dienst am Patienten leistet und den Spagat zwischen dem christlichen Menschenbild und der Hochleistungsmedizin meistert. Die veränderten Familiensituationen bekommt die Einrichtung, die im Juni ihr 115-jähriges Bestehen feierte und mit 211 Betten zu den kleineren der 16 Frankfurter Krankenhäusern zählt, verstärkt zu spüren.

Von einigen Härtefällen kann auch Markus Schmidt, ehemaliger Schüler von Diakonissin Johanna und heutige Pflegebereichsleiter der Gynäkologie, berichten: „Die Vereinsamung hat stark zugenommen. So viele allein erziehende Mütter gab es früher nicht. Zum Glück haben wir für Notfälle einen Diakon, der ein Kind bei sich aufnehmen kann, wenn die Mutter operiert wird.“

Ein tröstendes Wort kann helfen

Verbessert habe sich natürlich die Verweildauer der Patienten. „Während meiner Dienstjahre hat dich sich von zehn auf fünf Tage halbiert. Doch dafür sind enorme Dokumentationspflichten dazugekommen und kaum mehr Zeit für die Grundpflege vorhanden“, sagt Schmidt, der seit 25 Jahren im Krankenhaus arbeitet, und ergänzt: „Wir sind mehr zu medizinischen Bewachern geworden.“

Und der ist in Zeiten von Internet und Bewertungsportalen stärker gefordert als je zuvor. „Die Patienten sind selbstbewusster geworden und haben eine höhere Erwartungshaltung gegenüber Ärzten und dem Pflegepersonal als früher“, so Schmidt, der sich bei den gestiegenen Anforderungen der Hilfe von den Ordensschwestern sicher sein kann.

Seit vierzig Jahren leistet Schwester Johanna Dienst am Patienten

Gerade an Weihnachten wolle das Haus mit seinem diakonischen Auftrag mit ein paar Extras punkten, sagt Krankenhaussprecher Norbert Scheu. „Wir rechnen damit, dass wir etwa 150 Patienten über die Festtage betreuen werden. Unser Pflege- und Seelsorgeteam wird sich noch stärker um die Patienten ohne Besuch kümmern. Auf dem Speiseplan steht zudem an allen Tagen ein Festtagsmenü“, so Scheu. Für die Höhepunkte wird allerdings Diakonissin Johanna sorgen, die den Weihnachtsgottesdienst organisiert und mit ihren Kolleginnen eine persönliche Weihnachtskarte, Lebkuchen und fürsorgliche Worte verteilt.

Darauf freut sich Diabetiker Norbert Schweikart: „Dann genieße ich diese Tage doch ein bisschen, wenn ich hier sein muss.“

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