Von wegen Spalterei: Wird aus DA jetzt DI?

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Auch aus Nostalgiegründen konnte sich Ronald Gabele nicht von seinem alten Dieburger Nummernschild trennen. Er betreibt in Dieburg eine Mietstation für Bau- und Gartengeräte.

Dieburg – Kommt nach Hanau und Wetzlar auch Dieburg dran und bekommt sein altes Auto-Kennzeichen zurück? Jetzt hat sich auch Landrat Klaus Peter Schellhaas positiv geäußert. Von Dirk Beutel

Der Schock, den die Gebietsreform 1977 mit sich brachte, saß vor allem in Dieburg tief. Die Stadt verlor ihren Status als Kreisstadt, worauf man sehr stolz war. Ein weiterer Nackenschlag war der damit verbundene Verlust des Dieburger Kennzeichens. Durch eine Studie der Hochschule Heilbronn vergangenes Jahr flammte plötzlich die Wiedereinführung des „DI“-Nummernschilds in Dieburg wieder auf. „Erstaunlich war, dass – wie beim Gesamtergebnis der hessischen Städte – die jüngste Altersgruppe in Dieburg am deutlichsten der Wiedereinführung zustimmte“, sagt Professor Ralf Bochert, der die Untersuchung geleitet hat: „Die Stimmung ist eindeutig für das DI-Kennzeichen. Insgesamt ist das Verhältnis von Befürwortern zu Gegnern der Wiedereinführung über 9:1.“

Grund genug, um das Thema auch auf das Programm des Stadtparlaments zu setzen. Für den Stadtverordneten Godehard Hagn hätte die Wiedereinführung nicht nur einen emotionalen Wert: „Es ist ein kostenloses und überregionales Marketinginstrument für unsere Stadt“, sagt der Versicherungsfachwirt.

Tatsächlich ist in den vergangenen Monaten aber einiges in dieser Richtung passiert. Das Bundesverkehrsministerium will demnächst eine rechtliche Regel in den Bundesrat einbringen, damit die Alt-Kennzeichen auf Wunsch wieder gültig gemacht und von den Zulassungsstellen ausgegeben werden. „Das Verfahren befindet sich auf dem Weg zu einer Gesetzesänderung“, bestätigt Frank Horneff, Sprecher des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Was passiert aber wenn das neue alte Kennzeichen kommt? „Es handelt sich hierbei um eine zusätzliche Option für jeden im Landkreis. Das DA-Kennzeichen bleibt parallel erhalten“, sagt Horneff. Klar ist, dass eine Umstellung keine zusätzlichen Kosten verursachen würde. Horneff: „Die EDV-Voraussetzungen in der Zulassungsbehörde des Landkreises liegen bereits vor.

Mit altem Nummernschild erhöhte äußere Wahrnehmung

Die Stadt Hanau hat sich bereits von ihrem MKK getrennt. Wer möchte, kann sein Nummernschild wie früher mit HU pressen lassen. Auch in Wetzlar soll das alte WZ wieder eingeführt werden. Eine Tendenz, die auch dem Landrat Darmstadt-Dieburgs nicht entgangenen ist. Noch im Sommer vergangenen Jahres sprach sich Klaus Peter Schellhaas gegen eine „DI-Reform“ aus. „Nach mehr als 30 Jahren Landkreis Darmstadt-Dieburg hätte eine -Wiedereinführung eher Trennendes statt Verbindendes“, hieß es. Das hat sich jetzt aber geändert. Die jüngsten Entwicklungen hätten zu einem Umdenken geführt. Und zwar soweit, dass sich der Landrat bereits über Detailfragen Gedanken macht. Denn unklar ist weiterhin, ob von der Wiedereinführung auch Kommunen betroffen wären, die vor der Gebietsreform das frühere „DI“-Kennzeichen führten, heute aber nicht mehr in den Zulassungsbezirk des Landkreises Darmstadt-Dieburg fallen. Wie etwa im Fall der Gemeinden Nieder-Roden, Ober-Roden und Urberach, die aus dem Landkreis Dieburg genommen und als Teil der neu gegründeten Städte Rodgau und Rödermark dem Kreis Offenbach zugeschlagen wurden.

Dieburg hat die Chance, mit dem DI eine wieder erhöhte äußere Wahrnehmung zu erhalten, die ganz offensichtlich auch von den eigenen Bürgern unterstützt wird“, sagt Bochert. Das ursprüngliche Argument des Landrats kann er nicht nachvollziehen: „Der Landkreisname mit Darmstadt und Dieburg rechtfertigt auch die Ausgabe beider Kennzeichen, ohne dass eine spalterische Tendenz daraus abzuleiten wäre.“

Im Kreis Offenbach dagegen kennt man eine solche Diskussion gar nicht. „Der Kreis hatte schon immer die OF-Kennzeichen. Das war nie anders“, sagt Kreis-Sprecherin Kordula Egenolf. Lediglich habe es vor Jahren mal eine Diskussion über eine mögliche Namensänderung des Kreises Offenbach gegeben. Egenolf: „In dem Zusammenhang hätte man dann auch über ein neues Nummernschild nachgedacht.“

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