Wegen Baumpilz: Droht uns zehn Jahre lang Äppelwoi-Notstand?

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Pilzbefall: Heiko Fischer vor einem schon schwarz gewordenen Stamm mit aufgeplatzter Rinde.

Region Rhein-Main – Ein rätselhafter Pilz lässt die Apfelbauern der Region zurzeit  zittern. 30 Prozent ihrer Bäume sind von der Seuche befallen. Weil der Bestand überaltert ist, und offenbar vor allem junge Bäume von der Krankheit befallen werden, droht eine Unterversorgung mit Äpfeln. Von Christian Reinartz

Zehn Jahre lang brauchen nämlich nachgepflanzte Bäume, um überhaupt ordentlich Früchte zu tragen. „Da liegt eine lange Durststrecke vor uns“, warnt Norbert Lemb, Fachmann bei der Naturschutzakademie des Landes Hessen. Das Problem: Viele der alten Bäume auf den hiesigen Obstwiesen sind sowieso schon in einem biologischen Alter, in dem sie jederzeit absterben können. Dadurch, dass jahrelang keine neuen Bäume gepflanzt wurden, gibt es einen Überbestand an den alten Gewächsen. „Wenn jetzt auch noch Bäume durch den Pilz absterben, kann das eine ganz schöne Lücke reißen“, sagt Lemb.

Europas Keller sind leer

Auch Martin Heil, Chef der gleichnamigen Kelterei, hat längst erkannt, dass auf den Apfelwein schwierige Zeiten zukommen. „Die Keller sind europaweit leer, wegen der geringen Ernte im letzten Jahr“, sagt Heil: „Zukaufen aus dem Ausland ist deshalb gar nicht so einfach.“

Sterben jetzt noch mehr Apfelbäume, könnte diese Situation zur Normalität werden. Auch der Apfelsaftmarkt würde dadurch unter Druck geraten, die Preise explodieren. Doch Heil mahnt zur Ruhe: „Es wird immer Apfelwein geben.“

Nur wie teuer der in den nächsten zehn Jahren sein wird, weiß im Moment keiner so recht zu sagen, denn die Apfelpreise schlagen sich direkt auf den Preis des gelben Weins nieder. „Wir versuchen solche Schwankungen aber abzufedern“, beruhigt Martin Heil.

Auch Heiko Fischer, Baumwart für Obstgehölze und Chef des Obst- und Gartenbauvereins Kronberg, hat mit dem fiesen Baumpilz zu kämpfen. Zwei Bäume auf der Vereins-Obstwiese sind schon befallen, einer ist schon eingegangen. Auch er warnt vor einer langen Unterversorgung mit heimischen Äpfeln: „Das einzige, was jetzt helfen kann, ist, dass wieder viele neue Bäume nachgepflanzt werden.“

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