Goethes Wasserhof ist jetzt ein Unort

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Geflügelzuchtvereinsvorsitzender Wolfgang Ahlemann (links) und Norbert Scherlitz vor einem gut erhaltenen Löwenkopf am Gemäuer des durch Goethes Faust bekannten Wasserhofs zwischen Offenbach und Frankfurt.

Frankfurt – „Ich rat Euch, nach dem Wasserhof zu gehn“, heißt es in Goethes Faust. Dass es jenes Gehöft noch gibt, wissen aber nur wenige. Deshalb ist es in das Buch „101 Unorte in Frankfurt“ aufgenommen worden, das am Montag erscheint. Von Norman Körtge

„Die meisten glauben, dass die Gerbermühle jener Ort ist. Dabei war sie nur ein Teil jenes Wasserhofs“, berichtet Norbert Scherlitz. Seit mehreren Jahren bereits setzt sich der Oberräder dafür ein, dass das Areal auch dementsprechend gewürdigt wird. Einer seiner wichtigsten Verbündeten ist Wolfgang Ahlemann. Er ist Vorsitzender des Frankfurter Geflügelzuchtvereins, der seit 1909 seine Volieren auf dem Grundstück gegenüber der Gerbermühle hat. Dass an den historischen Wasserhof mit Wassergraben, Zugbrücke und großem Herrenhaus nur noch so wenig erinnert, kann Ahlemann erklären. Im Zweiten Weltkrieg hätten Bomben einen Großteil der Gebäude zerstört. Übrig geblieben ist nur der Gewölbekeller und das Parterre des Herrenhauses. Aufgrund der Zerstörungen erinnerte nichts mehr an Goethes Wasserhof.

Das Parterre des Herrenhauses auf dem Wasaserhof-Gelände ist noch erhalten.

Gewürdigt wird es jetzt in dem am Montag erscheinenden Buch „101 Unorte in Frankfurt“, das Frank Berger vom Historischen Museum und Stadtführer Christian Setzepfandt (http://www.kultours.de) im Societäts-Verlag herausgeben. Mit Schlagworten wie „Unbeliebt“, „Unbedeutend“ oder „Unansehnlich“ haben die beiden Autoren Frankfurter Sehenswürdigkeiten betitelt, die so in keinem Reiseführer stehen und auch vielen Frankfurtern unbekannt sein dürften. Wer wissen möchte, was es mit der Adorno-Ampel, einem Gullydeckel vor der Alten Oper oder der Zeppelinwurst in der Fressgass‘ auf sich hat, der kommt an dem Buch nicht vorbei.

Pläne für ein Kulturhotel

Norbert Scherlitz hofft allerdings, dass der Wasserhof in einer neuen Auflage nicht mehr zu den Unorten gehört. Denn ihm schwebt vor, das Herrenhaus samt Gebäudeensemble, Wassergraben und Zugbrücke wieder aufleben zu lassen und dort ein Kulturhotel zu etablieren. Die Pläne dazu hat der bekannte Frankfurter Architekt Jochem Jourdan bereits ausgearbeitet. Jetzt gilt es für das Vorhaben Investoren zu finden. Der Geflügelzuchtverein unterstützt das Projekt.

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