Warum es so viele Unfälle mit Kleinflugzeugen gibt

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Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks bergen die Wrackteile des Flugunglücks bei Wölfersheim, bei dem auch eine Dietzenbacher Familie ums Leben kam.

Region Rhein-Main – Nach dem tragischen Zusammenstoß zweier Kleinflugzeuge über Wölfersheim, bei dem acht Menschen, darunter eine Familie aus Dietzenbach, ums Leben kamen, mehren sich die Fragen, wieso es immer wieder zu Unfällen bei kleinen Fliegern kommt. Von Christian Reinartz

Die Zahlen sind eindeutig. Während im Jahr 2011 von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) fast 200 Unfälle im deutschen Luftraum registriert wurden, in die Kleinfluggeräte involviert waren, sind es bei den großen Maschinen lediglich vier. Und das, obwohl die Flugbewegungen in diesem Bereich zigfach höher liegen.

Jetzt sprechen Experten das aus, was viele schon seit langer Zeit bemängeln: Die geringen Hürden, mit denen heute ein Flugschein erworben werden kann. „Eine professionelle Ausbildung bietet eben auch Sicherheit“, gibt Frank Göldner von der BFU zu Bedenken. Im Hobby-Flug-Bereich könne im Grunde jeder, der die gesundheitlichen Maßstäbe erfüllt, auch Pilot werden.

Nicht immer sind es Pilotenfehler

Bestätigt wird das vom Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit in Frankfurt, Jörg Handwerg. Er ist selbst Flugkapitän, kennt die Materie. „Oft fehlt einfach die Übung“, sagt er. Berufspiloten absolvierten in einer Woche das, was so mancher Hobby-Flieger in zwei Jahren flöge. Zudem neigten manche mitunter zu Selbstüberschätzung oder schätzten die Wetterbedingungen falsch ein. „Aber es sind nicht immer Pilotenfehler“, sagt Handwerg. „In den kleinen Fliegern ist man viel stärker den Umwelteinflüssen ausgesetzt.“ So reagierten die kleinen Sportflugzeuge viel empfindlicher auf Seitenwind. Zudem seien sie nicht so stabil ausgelegt und verfügten über viel weniger Technik. „In der Summe könnte das der Grund sein, warum mehr kleine Flugzeuge verunglücken als große.“

Auch, wenn das Flugunglück in der Wetterau durch die vielen Toten besonders tragisch ist, sind solche Zusammenstöße für Frank Göldner nichts seltenes. „Allein im Jahr 2012 haben wir schon drei solcher Unfälle verzeichnet. In den vergangenen zehn Jahren waren es 17.“

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