Drama in der Klinik: Warum schwiegen Ärzte nach seinem Tod?

Seligenstadt – Sie will für die Wahrheit kämpfen, das hat Ilse Turba ihrem totem Mann Manfred versprochen. Denn manchmal spricht die 54-Jährige mit ihrem bei einer Lebertransplantation am 16. Januar verstorbenen Mann. Immer dann, wenn sie ein Puzzle-Stück mehr zusammen hat, das die Umstände des Todes des Mannes erklären, mit dem sie 37 Jahre lang verheiratet war. Warum er plötzlich ein neues Organ bekommen hat, warum sie niemand rief, als er im Sterben lag und warum sie erst weitergehende Informationen bekommen hat, nachdem sich der EXTRA TIPP einschaltete. Von Axel Grysczyk

Im Sommer des vergangenen Jahres wird bei einer Routineuntersuchung festgestellt, dass Manfred Turba an einer Leberzirrhose leidet. Für seine Frau Ilse unverständlich: „Mein Mann war regelmäßig bei Routineuntersuchungen. Nie ist etwas festgestellt worden, sein Blut war immer okay.“ Im weiteren Verlauf sendet das kranke Organ Giftschübe in den Körper, die den Kraftfahrer im Ruhestand verändern, ihn aggressiv machen. Im September muss er daher ins Krankenhaus nach Langen. Tochter Sandra: „Er bekam nach seiner Heimkehr nicht mal spezielle Medikamente. Wir mussten selber sehen, wie wir zurecht kamen.“
Die Familie ist glücklich, dass er am 16. Oktober wieder daheim ist. Es ist sein 60. Geburtstag – sein letzter.

Die Ärzte sahen nur eine Lösung: Lebertransplantation

Ilse Turba

Das immer größer werdende Problem des Wassers im Körper von Manfred Turba bekommt die Familie aus Froschhausen nicht in den Griff. Er kommt in die Frankfurter Uniklinik. Von Kopf bis Fuß wird er untersucht und auch informiert. Die Lösung für ihn und die Ärzte steht fest: Lebertransplantation!
Es ist der 11. Januar, als in einem Beratungsgespräch in der Uniklinik der kompletten Familie mitgeteilt wird, dass es bis zu einem ganzen Jahr dauert, bis ein entsprechendes Organ zur Verfügung steht. Die Familie will beraten, ob Sohn Thorsten als Spender zur Verfügung steht. Doch nur einen Tag später klingelt das Telefon bei den Turbas, sie müssten schnell in die Klinik kommen. Das Organ ist da.
Ilse Turba: „Zum Glück habe ich meinem Mann noch auf dem Weg zur OP kurz gesehen. Ich hab‘ ihm zugerufen ,Du schaffst das‘.“

Turbas Anrufe blieben unbeantwortet

Ilse Turba hat sich seitdem gefragt, was passiert ist, dass ihr Mann so schnell operiert wurde. Erst als sich der EXTRA TIPP in der vergangenen Woche einschaltet, meldet sich ein Arzt bei den Turbas. Die Witwe: „Ich hatte zuvor dreimal angerufen, niemand rief zurück. Und einen Arztbrief hat unser Hausarzt bis heute nicht bekommen.“ Turba berichtet, der Oberarzt habe ihr erklärt, der Mitarbeiter, der das Band abhört, hätte einen Herzinfarkt erlitten. Es täte ihm leid, dass sie keine Infos bekommen habe. In einer schriftlichen Stellungnahme begründet die Uniklinik das Vorgehen so: Neben der normalen Organliste gibt‘s noch ein so genanntes Zentrumsangebot. Dies ist ein Organ, das den Kliniken zusätzlich und ohne Anforderung angeboten wird. Weil dieses genau auf Manfred Turba passte, hat die Klinik sofort gehandelt.
Für Ilse Turba bleibt der hektische Abschied von ihrem Mann für ewig.
Auch als Manfred Turba während der Transplantation dreimal wiederbelebt werden muss, sei sie nicht informiert worden. Niemand hätte ihr Bescheid gegeben, sagt sie. Die Kinik behauptet, die Ehefrau informiert zu haben.

Was geschah wirklich am 16. Januar?

Am 16. Januar stirbt Manfred Turba. „Morgens habe ich angerufen und die haben mir gesagt, alles ist in Ordnung“, erzählt sie. Dann sei sie zur Besuchszeit nachmittags in die Klinik gefahren und ein Pfleger habe ihr mitgeteilt, dass ihr Mann jetzt gerade stirbt. Die Uniklinik beschreibt den Hergang anders: Gegen 14 Uhr wären schwerwiegende Herzprobleme aufgetreten, nachdem die Leber aufgrund einer „toxischen Situation“ hätte wieder entfernt müssen. Dies habe der Patient nicht überlebt. Die Familie sei informiert worden und vom Stationsarzt betreut worden. Tochter Sandra Turba und ihre Mutter Ilse haben die Situation anders in Erinnerung. Beide erzählen: „Da war ein Pfleger, der hat gesagt, man habe ihm die Leber halt wieder rausgerissen. Jetzt würde er sterben.“

Witwe bleibt mit Fragen zurück

Für Ilse Turba ist unklar, warum die neue Leber im Körper ihres Mannes abgestoßen wurde. Schließlich habe es so viele Voruntersuchungen gegeben. Ilse Turba: „Der Oberarzt hat mir am Telefon gesagt, dass er sich dies auch nicht erklären kann.“ In der schriftlichen Stellungnahme der Uniklinik klingt das so: „Rückblickend ist der tragische Verlauf der Dinge schicksalhaft. Die Histologie hat ergeben, dass eine hyperakute Abstoßung die Ursache des primären Transplantatversagens war. Dies ist eine extrem seltene Komplikation.“ Doch wenn es Schicksal war, warum entschuldigt sich der Oberarzt. Und warum meldet er sich überhaupt erst vier Wochen später, fragt sich Ilse Turba. Jetzt überlegt sie, ob sie ihren Anwalt einschaltet. Sie will die Wahrheit – das hat sie ihrem Mann versprochen.

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