Opel-Zoo-Direktor Thomas Kauffels warnt

Wartet auf überzählige Zootiere bald der Schlachter?

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Region Rhein-Main –Im Nürnberger Zoo sind vergangenes Jahr etwa 60 Tiere getötet worden – weil sie überzählig waren, nicht vermittelt werden konnten und nicht in die Zuchtgruppe passten. Ist sowas auch in Rhein-Main möglich? Von Christian Reinartz

Direktor Thomas Kauffels

Opel-Zoo-Direktor Thomas Kauffels sagt: „Es wird der Tag kommen. Morgen könnten es Affen und Löwen sein. In 20 Jahren die Elefanten“. Im ersten Moment hört es sich grausam an: Tiere werden getötet, weil es zu viele sind und sie nicht ins Zuchtprogramm der Zoos passen. Man könnte auch sagen: Erst werden sie gezüchtet und dann wieder getötet, weil man keine Verwendung für sie hat.
Opel-Zoo-Direktor Thomas Kauffels sagt: „Anders ist Artenschutz nicht möglich.“ Keinem Zoo-Direktor falle es leicht, Tiere zu töten. „Aber wir dürfen unseren Auftrag als Zoo nicht aus den Augen verlieren.“ Das Problem: Artenschutz ist nicht gleich individueller Tierschutz. „Das wird von der breiten Masse und den Tierrechtlern verwechselt“, sagt Kauffels. Tierschutz sei der Schutz des einzelnen Lebewesens. „Aber das steht dem Artenschutz oft entgegen“, erklärt Kauffels. „Wenn ich etwa Hirsche züchten will, habe ich gleichviele Männchen und Weibchen. Aber der Hirsch umgibt sich immer mit mehreren Hirschkühen.“ Das habe zur Folge, dass es immer eine ganze Menge männlicher Tiere gebe, die zu viel seien. Das sei aber unumgänglich, da es eine grundlegende Aufgabe des Zoos sei, vom Aussterben bedrohte Tierarten zu züchten. Kauffels stellt klar: „Bei Zucht entsteht aber immer automatisch eine Überpopulation. Und mit der müssen wir irgendwie umgehen.“

Irgendwann funktioniert Tiervermittlung nicht mehr

Lesen Sie dazu den Kommentar: „Ein Zoo darf kein Affentheater sein

Sowohl Kauffels als auch sein Kollege Manfred Niekisch, Direktor des Frankfurter Zoos, versuchen in einem solchen Fall die Tiere an andere Zoos weltweit zu vermitteln. Niekisch: „Bisher haben wir immer alle Tiere vermitteln können.“ Lediglich für die Ziegen, die auch im Streichelzoo zu sehen sind, gebe es eine Schlachtgenehmigung. „Diese Tiere verfüttern wir dann“, sagt Niekisch.
Thomas Kauffels schließt eine Tötung aus Artenschutzgründen aber in Zukunft nicht aus. „Auch ich habe in meinen 18 Jahren beim Opel-Zoo immer alle Tiere vermittelt bekommen“, sagt der Direktor. „Aber der Tag wird kommen, an dem das nicht mehr funktioniert.“ Seine Prognose: „Morgen könnten es Affen und Löwen sein, in 20 Jahren die Elefanten.“

Tierrechtler verfügten nicht über Sachverstand

Problematisch dabei sieht Kauffels die aktuelle Gesetzgebung. Die verbietet zwar das Töten von Tieren aus Gründen des Populationsmanagements. „Wenn ich aber zwei Giraffen schlachte, weil ich behaupte, ich müsste sie an die Löwen verfüttern, ist das vom Gesetz abgedeckt.“

Das Problem dabei seien Tierrechtler, die in die Vorbereitung der Gesetzgebung als Experten eingebunden werden, aber gar nicht über den notwendigen Sachverstand verfügten. „Diese müssen erstmal die jeweilige Tierart in Wikipedia nachschlagen.“

Kauffels ärgert das: „Mir macht es doch keinen Spaß, Tiere zu töten. Aber anders wird der Artenschutz in den Zoos auf Dauer nicht funktionieren.“

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