Wartelisten und Gebühren: Viele wollen zur Privatschule

+
In Hessen sitzen mittlerweile 6,5 Prozent aller Schüler in einer Schule in privater Trägerschaft – mehr als jemals zuvor.

Region Rhein-Main – Im Main-Taunus-Kreis gibt es zehn, im Hochtaunuskreis elf Schulen in privater Trägerschaft. In Frankfurt sind es gar 35. Leisten können sich die noblen Schulen längst nicht alle Familien, dennoch steigt die Nachfrage. Noch nie wurden so viele Schüler in Privatschulen unterrichtet wie im vergangenen Schuljahr. Von Julia Renner

Insgesamt besuchen 6,5 Prozent der hessischen Schüler eine Schule in privater Trägerschaft. Unter Gymnasiasten liegt der Anteil sogar bei zwölf Prozent, hat das Statistische Landesamt Hessen herausgefunden.

„Es gibt aber keinen besonderen Boom in der Region“, sagt Wolfgang Kreher. Er ist Leiter des staatlichen Schulamtes, das auch für den Main-Taunus-Kreis zuständig ist. In den vergangenen Jahren seien nur wenige Privatschulen hinzu gekommen.

In Frankfurt ist das anders. „In den vergangenen Jahren gab es mehrere Neugründungen und es gibt auch immer wieder Anfragen“, sagt Dieter-Rudolf Sauerhoff, Sprecher des Schulamtes in Frankfurt. Die Nachfrage nach Privatschulen führt er zurück auf ein „besonderes Interesse an Angeboten, die es sonst nicht gibt“.

Michael Gehrig.

Ein solches Angebot bieten Schulen wie Phorms Frankfurt City und Phorms Taunus Campus in Steinbach. Mindestens 290 Euro müssen Eltern monatlich für Grundschule bzw. Gymnasium zahlen. Der Höchstsatz liegt bei rund 1000 Euro. „Das Schuldgeld ist einkommensabhängig“, sagt Schulleiter Michael Gehrig. Dass sich das trotzdem nicht jeder leisten kann, weiß er. Um die „soziale Vielfalt zu verbreitern“, soll es bald Stipendienprogramme geben.

Doch die Nachfrage ist jetzt schon hoch. „Im Grundschulbereich gibt es eine Warteliste“, sagt Gehrig. Derzeit werden rund 350 Schüler an beiden Standorten unterrichtet. Dass so viele Eltern ihre Kinder scheinbar lieber auf eine Privatschule schicken wollen, sieht Gehrig nicht als „besorgniserregend im Hinblick auf das öffentliche Schulsystem“. Der Schulleiter sieht Privatschulen als „Bereicherung der Schullandschaft“ und auch als Wettbewerb, denn der belebe das Geschäft: „Und was ist daran falsch?“

Dieter-Rudolf Sauerhoff vom Schulamt in Frankfurt macht sich keine Sorgen, dass irgendwann zu wenig Schüler in die öffentlichen Schulen gehen. „Es gibt noch eine zunehmende Schülerschaft, das merken wir auch an öffentlichen Schulen.“ Und davon, so glaubt Sauerhoff, „versuchen auch private Institute zu profitieren“.

Kommentare