Wandler zwischen den Welten

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Der am Klinikum Hanau ausgebildete Krankenpfleger Hartmut Pachl war in den vergangenen Jahren für die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ immer wieder in Krisengebieten im Einsatz – zuletzt in Somalia. Das Foto zeigt ihn in Äthiopien.

Hanau – Krieg, Dürre, Hungersnot und Piraten – Somalia ist ein gezeichnetes Land. Nicht-Somalis machen einen Bogen um die Region am Horn von Afrika. Es sei denn, sie wollen helfen, die Not zu lindern. So wie Hartmut Pachl, der gerade von einem Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“ zurück ist. Von Norman Körtge

Weihnachten wird Hartmut Pachl bereits wieder in wärmeren Gefilden verbringen. Nicht auf den Kanaren oder in der Karibik – den klassischen Urlaubszielen der Deutschen – sondern höchstwahrscheinlich im Südsudan, mitten in Afrika. Der 36-Jährige macht dort auch keinen Urlaub, sondern wird wieder für mehrere Monate für die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ im Einsatz sein. Dabei ist der am Klinikum Hanau ausgebildete Krankenpfleger gerade erst von einem einjährigen Einsatz in Somalia und Kenia zurückgekehrt. In den wenigen Wochen in Deutschland versucht er, Familie und Freunden viel Aufmerksamkeit zu schenken – und die immer wiederkehrende Frage nach dem „Warum?“ zu beantworten.

Es ist das ständige Sammeln von Erfahrungen, dass für Pachl den außergewöhnlichen Reiz seiner Tätigkeit für „Ärzte ohne Grenzen“ ausmacht. Denn diese seien gerade in Krisengebieten durch nichts zu ersetzen.

Gesammelt hat er davon während seiner vier Einsätze in den vergangenen fünf Jahren, die ihn nach Äthiopien und Uganda führten reichlich (nachzulesen im Internet: Hartmut Pachl hilft jetzt in Somalia) reichlich. Bei seinem jüngsten Einsatz war es das Organisieren, Helfen und Unterstützen übers Internet und per Telefon.

Wir waren immer nur für ein paar Tage in Galcayo. Die Sicherheitslage ließ nicht mehr zu“, berichtet Pachl. So verbrachte der Krankenpfleger mehr Zeit im kenianischen Nairobi als in der somalischen Stadt. Diese liegt zirka 500 Kilometer nördlich von Mogadischu im Landesinneren. In der durch Clans beherrschten 120.000 Einwohner-Stadt Galcayo führe eine imaginäre Grenzlinie, so Pachl. Der Nordteil gehöre zur autonomen Provinz Puntland, der Südteil zu Galmudug. Für einheimische Männer ist es nicht ohne weiteres möglich, diese imaginäre Grenze, die durch nichts gekennzeichnet ist, zu überschreiten. Das ist der Grund dafür, dass „Ärzte ohne Grenzen“ in beiden Stadthälften Projekte betreut.

Hilfe per Telefon und Skype

Aufgabe war und ist es, ein medizinisches Gesundheitssystem aufzubauen und zu unterhalten“, sagt Pachl. Behandelt werden Menschen mit Infektions- und Durchfallerkrankungen oder etwa Diabetes. In der Chirurgie kommen Somalis mit einer akuten Blinddarmentzündung genauso auf den OP-Tisch wie auch Opfer von Unfällen und Gewalt. Mit kalorienreicher Erdnusspaste werden außerdem unterernährte Kinder aufgepäppelt.

Die etwa 200 einheimischen Mitarbeiter mussten dabei allerdings meist ohne ihre westlichen Helfer auskommen. „Per Telefon, Skype und E-Mail haben wir aus dem sicheren Nairobi Kontakt gehalten, für Konsultation bereit gestanden, Behandlungsprotokolle eingesehen und andere Daten kontrolliert“, berichtet Pachl. Unter anderem sollte damit sicher gestellt werden, dass Medikamente und andere Hilfsmittel nicht auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. „Wir haben die wichtige Erfahrung gesammelt, dass dieses aus der Ferne gemanagt auch über einen längeren Zeitraum funktioniert“, so Pachl. Die Alternative wäre nämlich gewesen, die Projekte aufzugeben und die Menschen ihrem Schicksal zu überlassen. Hilfreich sei gewesen, dass man persönlich beim Aufbau des Projektes und der Auswahl der Mitarbeiter vor Ort war. „Das war eine gute Grundlage und hat Vertrauen gebildet“, meint Pachl.

Für in steht fest, dass er auch in den nächsten Jahren zwischen den Welten wandeln und seine gesammelten Erfahrungen in weiteren Projekten einbringen will. Jetzt erst einmal im Südsudan. Und danach? „Ich kann mich auch noch geografisch weiterentwickeln“, erzählt er mit einem Lachen im Gesicht. Bislang war er nur in Afrika im Einsatz gewesen. Südostasien würde ihn reizen. „Und wenn ich Spanisch lerne, auch Südamerika.“

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