Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Friedhofskultur

Friedhof als Feinstaubkiller und Ort der Integration

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Andreas Mäsing ist Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Friedhofskultur. Wenn er einmal tot ist, wünscht er sich ein besonders bunten Sarg.

Der Verein zur Förderung der Friedhofskultur hat einst den Tag des Friedhofs geschaffen. Ihr Vorsitzender, Andreas Mäsing, plädiert für mehr Freude auf dem Friedhof, freut sich auf Bestattungsformen anderer Religionen und fordert eine liberalere Friedhofsordnung. Von Axel Grysczyk 

Warum sollte ich am Sonntag, am Tag des Friedhofs, auf den Friedhof gehen?

Weil es auf vielen Friedhöfen in Deutschland und der Schweiz zahlreiche Aktionen gibt. Bei Kinderaktionen oder historischen Führungen wollen wir zeigen, dass es auf dem Friedhof nicht nur um traurige Bestattungen geht, sondern dass es auch ein fröhlicher und erholsamer Ort ist.

Das müssen Sie erklären.

In unseren zubetonierten Städten sind Friedhöfe Orte voller Natur, voller Vegetation mit einer extrem hohen ökologischen Dichte. Es gibt zahlreiche Tiere und viele Pflanzen. Und in der Regel ist er lärmfrei. Solche Orte werden in Zukunft immer wichtiger, sie sind eine grüne Oase im Betonmeer. Ein weiteres Beispiel: Solche grünen Orte sorgen in großen Städten für eine Feinstaubminimierung, sie sind sozusagen Feinstaubstaubsauger.

Und wie wird’s auf Friedhöfen fröhlich?

Der Verein zur Förderung der Friedhofskultur möchte eine Diskussion anregen und den Friedhof enttabuisieren und entkrampfen. Gehen Sie mal mit Kindern über den Friedhof, die erklären einem, was schön ist. Kinder haben keine Angst.

Früher hatten Kampfflieger ein Flugzeug in den Grabstein eingraviert oder ein Fußball-Fan hatte einen Ball auf seinem Grab. Heute sehen die Friedhofs-Gräber alle so öde aus.

Friedhöfe sind Vielfalt, wir müssen das Lebendige und Bunte wiederfinden und uns gegen die Gräber in Reih und Glied wehren. Es muss mehr Liberalität in die Friedhofsordnung. Trotzdem wissen viele Menschen gar nicht, was alles möglich ist. Man kann auch heute schon auf dem Friedhof viel kreativer sein, als viele Menschen denken. Ich möchte hier beispielhaft auf die kreativen gärtnerbetreuten Grabanlagen, Memoriam-Gärten oder Ruhegemeinschaften auf vielen Friedhöfen im Bundesgebiet verweisen. Bei der Bestattung im Wald, die gerade in Mode ist, gibt es kaum Gestaltungsmöglichkeiten: Man kann keine Blumen ablegen oder pflanzen und hat keine Gestaltungsmöglichkeiten.

Immer mehr Tote werden verbrannt. Ist die Urne nicht das Ende der herkömmlichen Friedhofskultur?

Nein, es kommt auf die Gestaltung an. Wenn die Angehörigen die Möglichkeit haben, sich vorher damit auseinander zu setzen, kann auch ein Urnengrab die Lösung sein. Mir ist wichtig, dass die Familien sich rechtzeitig damit befassen, was möglich ist.

Wie und wo kann ich mich informieren?

Frühzeitig den Kontakt mit den Verwaltungen suchen, man kann aber auch an Friedhofsführungen teilnehmen. Wichtig ist, dass das alles von der Familie oder den Menschen im Umfeld mitgetragen und mitgelebt wird, dann ist die Entscheidung richtig.

Die Religionsvielfalt in Deutschland wird größer, damit gibt es weitere verschiedene Bestattungsformen. Wie beurteilen Sie die Auswirkungen auf unsere Friedhöfe?

Es wird bunter und schöner, ich freue mich darauf. Ich habe an einer Kindergartenführung auf einem Friedhof teilgenommen, an dem auch ein muslimischer Hodscha, also ein geistlicher Lehrer und Gemeindevorsteher, mitgegangen ist. Das war so interessant von anderen Kulturen und ihren Traditionen zu hören. Wenn man so voneinander erzählt und sich respektiert, kann der Friedhof auch ein Ort der Integration sein.

Wie wollen Sie persönlich beerdigt werden?

Mein Sarg soll bunt sein, und ich möchte unbedingt in einem Sarg beerdigt werden. Dann soll mein Grab ganz viele Blumen haben. Es gibt so viele Blumen mit unterschiedlichen Bedeutungen, die dann auch etwas über mich erzählen sollen. Ich hoffe, dass das meine Kinder mittragen werden. Aber Grabpflege ist auch ein aktiver Liebesdienst. Wenn ich ein Grab pflege, setze ich mich aktiv mit dem Verstorbenen auseinander und verdränge nicht einfach nur den Tod.

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