Der Volkswille wartet auf den Straßentunnel

Von Norman KörtgeDieburg - Im Oktober 1993 stimmte Dieburg ab. Es war Hessens erster Bürgerentscheid, und es ging um den beschrankten Bahnübergang an der Frankfurter Straße. Der sollte verschwinden - und damit das Verkehrschaos.

Doch trotz des positiven Abstimmungsergebnisses staut sich der Verkehr noch heute. Jetzt meldet die Deutsche Bahn endlich: Im Frühsommer 2008 beginnen die Tunnelarbeiten. Knapp 15 Jahre nach der Abstimmung.

16 bis 17 Stunden pro Tag ist die Schranke unten. "Wenn der Castor kommt, sind es auch schon mal 18 Stunden", sagt Helmut Schelter. Vor 14 Jahren war er Mit-Initiator des Bürgerentscheides. Die Bahntrasse, die das Gewerbegebiet Nord von der Innenstadt Dieburgs trennt, nennt er schlicht die "Mauer".

Mal schnell für ein paar Besorgungen in die Stadt fahren, dass ist oft gar nicht möglich, meint Schelter der im Nordring ein "Atelier für Schrift und Form" betreibt. "Wenn es ganz dumm läuft, ist man ein, zwei Stunden unterwegs", spitzt Schelter zu. Minutenlang steht man oft vor den verschlossenen Bahnschranken. Die Auto stauen sich vor allem im Berufsverkehr mehrere hundert Meter lang. Für Geschäftsleute sei das nicht gerade optimal. "Die haben bei den Planungen in den sechziger und siebziger Jahren einfach vergessen, dass Gewerbegebiet effektiv an das Stadtzentrum anzuschließen", kritisiert Schelter.

Die optimale Lösung: ein Tunnel. Der war auch schon vor dem Bürgerentscheid im Gespräch und geplant. Aber der vorhandene politische Wille wurde mit den Kommunalwahlen 1993 gestoppt, die Planungsunterlagen kurzfristig eingemottet. Bis eben der Bürgerentscheid ein paar Monate später den Volkswillen durchsetzte.

Doch die Jahre gingen ins Land. Die Deutsche Bahn wurde in verschiedene Teile zerlegt, Mitarbeiter gingen in den Ruhestand. "Irgendwie hat irgendwas immer etwas verzögert", weiß Schelter. Manchmal habe ihn schon der Mut verlassen. Aber: "Ich hoffe nicht auf die Umsetzung, ich poche darauf", gibt er sich stets kämpferisch.

Mit Erfolg: Das jüngste Bahn-Problem, die Umprogrammierung des Stellwerkes für den provisorischen Bahnübergang, ist gelöst, vermeldet Bahn-Pressesprecher Bernd Honerkamp. In den nächsten Tagen wird damit begonnen. Im März 2008 soll der provisorische Bahnübergang gebaut werden. Wenn dieser fertig ist, beginnt die Untertunnelung der Gleise.

Eine überraschende Nachricht für das Rathaus: "Mir hat die Bahn das noch nicht mitgeteilt", ärgert sich Bürgermeister Werner Thomas. Allerdings freut er sich auch, dass offensichtlich ein Ende des leidigen Wartens an der Bahnschranke abzusehen ist.

2010 soll das zirka 13 Millionen Euro teure Projekt abschlossen sein, sagt die Bahn. Die Stadt Dieburg beteiligt sich nach Kostenschätzungen aus dem Jahr 2001 mit etwa 1,5 Millionen Euro. Den Rest zahlen die Bahn, der Bund und das Land Hessen.

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