Viva Gemüsebeet!

+
Landwirt Sven Kötter zeigt Hobby-Gärtnerin Marion Puschmann (pinke Bluse) wie man richtig erntet.

Frankfurt – Gemüse im Supermarkt kaufen, kann jeder. Salat direkt vom Feld und frische Tomaten aus eigenem Anbau genießen dagegen meist nur „Landmenschen“. Oft fehlt den Städtern ein Garten oder das nötige Know-How zum Gärtnern. Mietbare Gemüsebeete im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach sind da die Rettung.Bauernland statt Schrebergarten. Von Mareike Palmy

MeineErnte.com-Gründerinnen Wanda Ganders und Natalie Kirchbaumer. Foto: nh

Mit spießiger Kleingartenkolonie hat das Ganze nix zu tun. Eher mit urbanem Gärtnern. Die ersten Kartoffeln schauen bereits aus der Erde. Möhren und Zucchinis warten schon auf ihre Ernte. Vor den Beeten stehen kleine Schilder mit dem Namen des jeweiligen Feldbesitzers: „Lotti Karotti“, „Naschgarten“ oder „Mariönchen“, haben die Besitzer ihr grünes Gold liebevoll getauft. Bei letzterem handelt es sich um Marion Puschmanns Gemüsebeet – zumindest noch bis Oktober.

Rent-a-Beet

Eine Saison bewirtschaftet die Bad Homburgerin eine 50 Quadratmeter große Parzelle. Mais und Radieschen hat sie schon geschmacklich getestet. Der Rest der Saat wartet auf die Ernte. Gesät hat das Landwirt Sven Kötter, der Eigentümer. Er bepflanzte ein Feld in Längsreihen mit insgesamt 20 Gemüsesorten und unterteilte es in unterschiedlich große Gärten, die seit Mai gemietet werden können. Die vorübergehenden Eigentümer müssen sich dann nur um Pflege und Ernte kümmern.

Die Idee dazu hatten Wanda Ganders und Natalie Kirchbaumer, zwei Jungunternehmerinnen aus dem Ruhrpott. Meine Ernte.com heißt das Konzept, dass dieses Jahr erstmalig in sechs deutschen Städten startete.

„Nieder-Erlenbach ist stadtnah und trotzdem ländlich-idyllisch, also perfekt für unser Projekt“, erklärt die 29-jährige Wanda Ganders die Entscheidung für den Frankfurter Stadtteil.

Ackern fürs eigene Gemüse

Außerdem habe man in Bauer Kötter den idealen Partner für das Meine-Ernte- Projekt gefunden. Jede Woche steht er mit praktischen Tipps den Hobby-Gemüsegärtnern zur Seite, bietet Gartensprechstunden und Hilfe bei der Neubepflanzung an.

Ihre beste Freundin Ilona Steppan profitiert von dem Gemüseüberfluss.

Dem Landwirt bietet das Projekt ein weiteres Standbein. Ihn reizt dabei aber noch viel mehr: „Ich will den Städtern zeigen, dass es Arbeit ist, einen Salat zu ziehen, statt schnell in mal in den Supermarkt zu springen“, so der 40-Jährige.

25 Parzellen wurden bisher an Familien, Singles oder ältere Menschen übergeben. Die Mieter konnten sich zwischen 50, 100 und 150 Quadratmeter Anbaufläche entscheiden.

Die Alternative zum Schrebergarten

Marion Puschmann hat die kleinste Variante gewählt. Trotzdem fällt soviel ab, das auch Freundin Ilona Steppan regelmäßig Gemüse bekommt. Nächste Saison wollen sich beide ein Beet teilen: „So können wir unseren grünen Daumen testen und endlich mehr ernten als Balkontomaten“, freut sich Puschmann schon auf das nächste Jahr und die kommende Ernte.

 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare