Ein Viertel der Kinder sind bereits Muslime

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Viele muslimische Kinder werden absichtlich in einen christlichen Kindergarten geschickt, damit sie besser Deutsch lernen.

Offenbach/Dietzenbach - Seit dem Sarrazin-Eklat wird das Integrationsproblem heißer denn je diskutiert. Zwei Kindergartenleiter setzen Sarrazin nun entegen: Viele Muslime schicken ihre Kinder in christliche Kitas, damit sie besser Deutsch lernen. Von Domenico Sciurti

Patricia Pascalis

Fast 24 Prozent der Kinder in den elf evangelischen Kindertagesstätten in Offenbach sind Muslime. Das zeigt eine Statistik der Offenbacher Schlosskirchengemeinde. Klingt paradox? „Das ist nicht unüblich“, erklärt die verantwortliche Pfarrerin Patricia Pascalis: „Die Eltern spricht offenbar unser Angebot zum besseren Deutschlernen an“, sagt die Geistliche: „Muslimische Eltern schätzen zudem den religiösen Kontext und die dadurch vermittelten Werte.“ Dass Muslime ihr Kind unwissend auf einen konfessionellen Kindergarten schicken, könne nicht passieren. „Die Eltern wissen, dass wir ein evangelischer Kindergarten sind. Wir klären sie vorher gründlich auf“, so Pascalis.

Muslime nehmen teil an christlichen Gottesdiensten

Auch Ludger Bär von der katholischen Kindertagesstätte St. Martin in Dietzenbach glaubt, dass Muslime ihre Kinder bewusst auf seinen Kindergarten schicken, damit sie besser Deutsch lernen. Anders als Pascalis vermutet er, dass der hohe Ausländeranteil in den städtischen Kitas dahinter steckt. „Dort ist es logischerweise schwieriger Deutsch zu lernen, als bei uns.“ Deshalb akzeptieren die muslimischen Eltern offensichtlich auch das christliche Programm. „Wir haben ein Tagesgebet und vier bis fünf Mal im Jahr einen Gottesdienst“, erklärt Bär: „Da nehmen die Muslime genauso teil, wie alle anderen.“

Pascalis erklärt: „Christliche Kindergärten sind sozusagen eine Brücke zwischen den Migranten und unserer Kultur.“ Die Idee: Treten Konflikte im Alltag auf, lernen die Kinder schon früh sie zu lösen. „Die Erzieher versuchen dann zu vermitteln und sprechen mit beiden Seiten“, sagt Pascalis.

Die Kommunen beurteilen die Argumentation der christlichen Kitas mit Unverständnis. „Oft suchen Eltern zwar Alternativen zu den städtischen Kindertagesstätten“, sagt etwa Walter Fontaine, Leiter des Fachbereichs Soziale Dienste der Stadt Dietzenbach: „Aber, dass die Kinder in konfessionellen Kindergärten besser Deutsch lernen, sei ihm nicht aufgefallen.“

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