Rund hundert Babyklappen in Deutschland

Jeder soll wissen, woher er abstammt

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Oberarzt Werner Scheib hat die Bad Homburger Babyklappe geöffnet

Region Rhein-Main – Ein Kind ist normalerweise das größte Glück für Eltern. Doch nicht jede Mutter kann oder möchte ihr Baby behalten. Deswegen gibt es in Deutschland die anonyme Geburt und rund hundert Babyklappen. Zum Beispiel in Bad Homburg und Hanau. Von Silke Gottaut

Ein Mensch hat jedoch das Recht zu wissen, wer seine Mutter ist. Aus diesem Grund möchte Familienministerin Kristina Schröder das Gesetz der vertraulichen Geburt durchsetzen.

Hinter einem weißen Sichtschutz an den Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg ist ein kleines Fenster versteckt. Wer den Weg hier hin geht, ist verzweifelt. Denn es ist eine Babyklappe. Eine Mutter hat in ihrer Not diesen Weg bereits genommen. Sie drückte den dort angebrachten Taster. Die Klappe öffnete sich und sie legte ihr neugeborenes Mädchen mit einem Zettel in das Wärmebett. Ein weißer, kleiner Teddy war in dem Moment alles, was das Baby noch hatte.

Bisher nur ein Baby abgegeben

Werner Scheib, Oberarzt und Kinderarzt in der Frauenklinik der Hochtaunus-Kliniken, hat diese traurige Situation miterlebt. „Durch die Klappenbedienung ertönt ein Signal im Kreißsaal. Die Ärzte gehen aber erst zirka drei Minuten später los, um das abgegebene Kind in Empfang zu nehmen“, erklärt Scheib. In der Zeit kann die Mutter sich von der Babyklappe entfernen.

Das Mädchen war das bislang einzige Baby in der Bad Homburger Babyklappe, die es seit vier Jahren gibt.

In Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst katholischer Frauen in Fulda wurde 2001 die erste hessische Babyklappe im Vinzenz-Krankenhaus in Hanau eingerichtet. „Dort wurden bislang fünf Babys hineingelegt, die nun alle gut bei Adoptiveltern aufgehoben sind“, sagt Gerlinde Felmeden-Plass von der Adoptionsvermittlung des Sozialdienstes katholischer Frauen. Bundesweit wurden nach Angaben des Deutschen Jugendinstituts von 2000 bis 2010 278 Säuglinge in Babyklappen abgelegt.

Vertrauliche Geburt

Babyklappen sollen verhindern, dass ein Kind einfach ausgesetzt wird und es dadurch gar zu Tode kommt. Jedoch wird das Kind nie etwas über seine Abstammung erfahren. Dies soll in Zukunft durch die vertrauliche Geburt verhindert werden. Mütter können ihr Kind anonym im Krankenhaus zur Welt bringen. Die Daten der Mutter bleiben 16 Jahre lang geheim. Danach hat das Kind die Möglichkeit, die Identität seiner Mutter zu erfahren.

An den Hochtaunus-Kliniken gibt es die vertrauliche Geburt bereits seit vier Jahren. „Wenn eine Mutter ihr Kind hergeben möchte, ist dieser Weg unser oberstes Ziel, da nur dadurch die Entbindung für Kind und Mutter im medizinisch geschützten Rahmen erfolgen kann und die Rechte der Kinder gewahrt bleiben“, sagt Scheib: „Jedoch sollten die anderen Alternativen bestehen bleiben und Babyklappen als ein möglicher letzter Rettungsanker nicht verboten sein.“ Dieser Meinung ist auch der Sozialdienst katholischer Frauen in Fulda.

Anders sieht es hingegen der „Pro Famila“-Bundesverband, der den Babyklappen unter anderem aufgrund der Anonymität kritisch gegenüber steht. Als problematisch sieht es „Pro Familia“-Vorsitzende Daphne Hahn an, dass das Gesetz keinerlei Regelungen für die Babyklappen vorsehe.

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