Viel zu wenig Notfallseelsorger im Main-Taunus-Kreis

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Notfallseelsorgerin Irene Runkel und Pfarrer Heiko Ruff-Kapraun. Die Weste, die Runkel trägt, weist die Ehrenamtlichen bei Einsätzen als Seelsorger aus.

Main-Taunus-Kreis – Sieben kirchliche Notfallseelsorger gibt es derzeit im Main-Taunus-Kreis und damit viel zu wenig. „40 bis 50 müssten es sein“, sagt Pfarrer Heiko Ruff-Kapraun. Ab Mittwoch bietet er deshalb einen Kurs in Eschborn an und hofft, dass sich viele diese Aufgabe zutrauen. Von Julia Renner

An ihren ersten Einsatz kann sich Irene Runkel noch gut erinnern. Ein Suizid war es, zu dem die Notfallseelsorgerin vor fünf Jahren gerufen wurde. „Ich war schon sehr aufgeregt und etwas unsicher“, sagt Runkel. Seither hat sie zusammen mit Polizei und Rettungsdienst unzählige Todes-Nachrichten überbracht und hunderte Stunden vor allem eins getan: Den Angehörigen zugehört.

Sieben Notfallseelsorger gibt es derzeit im Main-Taunus-Kreis. Sie werden vom Roten Kreuz unterstützt, wenn es wirklich eng wird. Doch generell, sagt Pfarrer Ruff-Kapraun, müssten es 40 oder sogar 50 Ehrenamtliche sein. Deshalb hat er einen Ausbildungskurs organisiert. Freiwillige lernen ab Mittwoch, 7. September, kostenlos die Grundkenntnisse der Psycho-Traumatologie und Gesprächsführung mit Menschen in akuten Krisensituationen. 15 Interessenten haben sich bereits angemeldet, sagt der Geistliche. Für weitere fünf angehende Notfallseelsorger wäre noch Platz in dem Seminar.

Nur für Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft

Mitarbeiten kann jeder, der mindestens 23 Jahre alt ist und während der drei bis vier Wochen Rufbereitschaft im Jahr ein eigenes Fahrzeug zur Verfügung hat. Auch ein Führungszeugnis muss vorliegen. Und noch eine weitere Einschränkung gibt es:„Man muss Mitglied einer Glaubensgemeinschaft sein“, sagt Ruff-Kapraun. Das solle keine Ausgrenzung sein, betont der Pfarrer. Im Gegenteil: „Das drückt Identität aus. Wir kommen als Christen und mit der Überzeugung, dass menschliche Barmherzigkeit hilft.

Die Ausbildung findet an acht Abenden und an zwei Wochenenden statt. Außerdem gibt es zwei ganztägige Veranstaltungen.

Auch die Notfallseelsorger selbst brauchen manchmal Unterstützung. „Es gibt schon Einsätze, an denen man nachher zu knabbern hat“, sagt Irene Runkel. Vor allem, wenn Kinder ins Spiel kommen, sei das tragisch. Deshalb gibt es einmal im Monat eine Supervision. Generell, sagt die 63-Jährige, „dass es noch einen großen Notfallseelsorger da oben gibt“. Anmeldung bei Pfarrer Rupp-Kapraun unter Telefon (0171) 3744999.

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