Viel Platz für Kinder, aber keine Erzieher

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Kinderhaus Heusenstamm: Mersed und Levin spielen zusammen.

Region Rhein-Main – Bis 2013 sollen zahlreiche Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren entstehen. Für die Städte heißt das, viel Geld in Tagesstätten zu investieren. Am schwierigsten wird es, die nötigen Erzieher einzustellen. Im Kreis Offenbach werden für 2011 allein rund 45 Erzieher gesucht. Von Julia Renner

35 Prozent lautet die von der Bundesregierung festgelegt Quote. So vielen Kindern unter drei Jahren muss ein Platz zur Verfügung gestellt werden. Einen Anspruch auf Betreuung haben rechtlich eigentlich alle Eltern kleiner Kinder. Nach Prognosen und Berechnungen wird davon ausgegangen, dass rund 35 Prozent wirklich einen Platz benötigen.

„Derzeit liegen wir bei 21 Prozent“, sagt Walter Fontaine, Leiter der sozialen Dienste in Dietzenbach. „Ich wage es zu bezweifeln, dass wir 35 Prozent schaffen.“ Dennoch: Die Stadt sei auf einem guten Weg (siehe Kasten).

Eltern-Beiträge decken nur Bruchteil der Kosten

32 Plätze für die ganz Kleinen sollen bis Jahresende in Dietzenbach entstehen. Finanzieren muss das die Kreisstadt. Mehrere Umbaumaßnahmen gleichzeitig sind deshalb nicht drin. „Das ist eine Frage des Geldes. Die Eltern-Beiträge decken nur einen Bruchteil der Kosten.“Ein Problem sieht Fontaine beim Personal.„Der Arbeitsmarkt ist fast leergefegt.“ Das neue Gesetz lasse die Situation noch schwieriger werden. Dabei bräuchten die Dietzenbacher Einrichtungen etwa sechs weitere Erzieher.

Ähnlich sieht es in Heusenstamm aus. Zwar ist die Quote mit 32 Prozent fast erfüllt. Im Kinderhaus Wiesenborn wurde jetzt das Dachgeschoss ausgebaut, um zwei weitere U3-Gruppen unterzubringen. „Es gibt eine Warteliste für die U3-Betreuung, der Bedarf ist riesengroß“, sagt Leiterin Gerit Witzel.

Aushilfskräfte als Kinderbetreuer

Vier Erzieher-Stellen wurden für die Betreuung bereits geschaffen. 2012 kommen weitere vier Stellen und 24 Plätze hinzu. Doch für die Suche nach Erziehern sieht Heusenstamms Bürgermeister Peter Jakoby schwarz: „Wenn Frankfurt den Markt abgrast, können wir das vergessen. Der Erzieher-Markt ist ausgereizt.“ Eine Konsequenz für den Bürgermeister wäre, Aushilfskräfte zu verpflichten.

Peter Schug befürchtet, dass in der Not so manche Einrichtung auf weniger qualifizierte Mitarbeiter setzt. Denn der Leiter der Abteilung Erziehungsausbildung an der Offenbacher Käthe-Kollwitz-Schule weiß, dass „der Bedarf im Rhein-Main-Gebiet sehr groß ist“. Frankfurt versuche, Erzieher abzuwerben. Das verschärfe die Situation im Kreis Offenbach. Die Schule würde gern mehr Erzieher ausbilden. „Aber wir stoßen an unsere Kapazitätsgrenzen.“

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