Viel Jauch um nichts

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Giovanni di Lorenzo im Gespräch mit Moderator Günther Jauch im Hörsaal der Frankfurter Universität.

Frankfurt – Für viele deutsche Mütter wäre er der Traummann für die Tochter – oder sie hätten ihn gar selber gern als Partner. Er gilt als der klassische Schwiegersohn-Typ. Er ist charmant, eloquent und gebildet. Von Niels Britsch

Aber Günther Jauch scheint manchmal ein merkwürdiges Verständnis von Pressefreiheit zu haben – zumindest was die Berichterstattung über die eigene Person angeht.

Jüngstes Beispiel für das Jauch'sche Presseverständnis ist eine Veranstaltung an der Frankfurter Goethe-Universität: Am 31. Mai fand dort der „Zeit Campus Talk“ statt – Gast war der sympathische Talkmaster.

Studierende hatten im Vorfeld Fragen an Jauch formuliert, die ihm ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo stellte. Die Gesprächsrunde war öffentlich und kostenlos, dementsprechend groß war auch der Andrang: Etwa 2000 Studierende wollten den beliebtesten deutschen Prominenten live sehen, der Hörsaal platzte aus allen Nähten.

Günther Jauch ist gar nicht so locker

Giovanni di Lorenzo im Gespräch mit Moderator Günther Jauch im Hörsaal der Frankfurter Universität.

Doch was ein Günther Jauch öffentlich zahlreichen Studenten erzählt, darf noch lange nicht publiziert werden: Öffentlichkeitsmitarbeiter der ZEIT baten Journalisten, ihre Text- und Videobeiträge vor der Veröffentlichung autorisieren zu lassen. Formsache, dachten sich die Berichterstatter unserer Zeitung und schickten das Material an die Kontaktperson der Wochenzeitung. Zurück kam ein Entwurf mit der Bitte, rot markierte Stellen zu streichen, es handelte sich um wenige Sätze.

Hatte Jauch den Studierenden noch freimütig erzählt, dass er früher selbstgedrehte Zigaretten rauchte, sollte diese Information der Öffentlichkeit vorenthalten werden.

Um Verzögerungen und Problemen vorzubeugen, wurden nun auch im Videobeitrag für unsere Internetseite jene Gesprächsbeiträge Jauchs weg gelassen.

Doch auch diese Kompromissbereitschaft erwies sich als vergebliche Rücksichtnahme: Nachdem der kleine Film über die Veranstaltung an die ZEIT geschickt worden war, erhielt die Redaktion eine dann doch recht verblüffende Antwort: Herr Jauch wolle das Material nicht freigeben, hieß es ohne weitere Begründung.

Autorisierung überflüssig

Gemäß dem Presserecht ist es jedoch gar nicht notwendig, Berichte über öffentliche Veranstaltungen autorisieren zu lassen. Deswegen haben wir uns entschieden, das Video unseren Lesern nicht vorzuenthalten.

Das Video zur Veranstaltung in der Frankfurter Universität ist jetzt auf unsere Internetseite unter der Rubrik "Videos" zu sehen, so wie es der EXTRA TIPP eingereicht hatte - und rätseln Sie: Was könnte Günther Jauch an dem Video gestört haben? Wo können Sie in dem Beitrag etwas Anstößiges finden? Was hat Günther Jauch bloß zu verbergen? Fürchtet der beliebteste deutsche Fernsehmoderator etwa um seinen Ruf?

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