Viel arbeiten, kaum Urlaub: Warum junge Leute trotzdem Bauer werden

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Azubi Nils Bender auf dem Reinhardtshof in Friedrichsdorf. Der große Schlepper ist der Lieblingsplatz des 17-Jährigen.

Taunus – Wer Bauer werden will, hat gute Chancen: 130 junge Leute haben in diesem Jahr in Hessen eine Ausbildung begonnen. 31 Ausbildungsplätze in Hessen sind noch frei. Im Taunus stehen die Betriebe jedoch gut da. Dort sind alle Ausbildungsplätze vergeben. Von Julia Renner und Silke Gottaut

Lange Arbeitszeiten und selten Urlaub: Für junge Leute ist der Beruf des Landwirts nicht besonders attraktiv. Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbands in Friedrichsdorf, will das so nicht gelten lassen. „Gut ausgebildete Menschen fehlen in allen Bereichen. Und auch bei den Bauern muss danach gesucht werden“, sagt er. Der Beruf des Landwirts sei heute ein anderer als früher. So sei er durch die vielen Maschinen körperlich leichter geworden. Die Arbeitszeiten sind trotzdem oft sehr lang. Das räumt auch Bernd Weber ein. Beispielsweise bei der Getreideernte: „Dann wird so lange gearbeitet, wie es hell ist. Dafür gibt es auch Zeiten, in denen weniger Arbeit anfällt.“ Wer jedoch mit Milchvieh zu tun hat, räumt Weber ein, muss jeden Tag ran, „auch an Weihnachten“.

Im Main-Taunus-Kreis und im Hochtaunuskreis sind derzeit alle Ausbildungsplätze vergeben, sagt Weber. Hessenweit waren Mitte September noch 31 Plätze frei. Und nach der Ausbildung seien die „Aussichten gut, aber schwierig“. Denn die Zahl der Betriebe sei in den vergangenen Jahren gesunken, „manche Betriebe kämpfen ums Überleben“.

Geschick, Mathe und Bio sind gefragt

Bernd Weber, Hessischer Bauernverband. 

Wer dennoch Azubis einstellt, achtet dabei nicht nur auf handwerkliches Geschick. Naturwissenschaften, vor allem Mathematik, Biologie und Chemie sollten die angehenden Landwirte beherrschen. In der Ausbildung wird dann nicht nur auf dem Feld oder im Stall geschuftet, sondern auch im Büro. „Ein vielseitiger Beruf“, sagt der Verbandssprecher.

Für den hat sich auch Nils Bender entschieden. „Ich arbeite gerne draußen. Meine Eltern haben einen kleinen Hof, ich bin also damit aufgewachsen.“ Seit dem 1. August arbeitet der 17-Jährige auf dem Reinhardtshof in Friedrichsdorf. Und ihm macht die Arbeit großen Spaß. Am liebsten fährt er Schlepper. Weniger gern mistet er den Schweinestall aus, „aber das muss auch gemacht werden“, weiß Bender.

Dass jeden Abend die Klamotten gewechselt werden müssen und geduscht wird, ist völlig normal für ihn. „Denn andere Leute, die nicht Landwirt sind, machen das auch“. Der Azubi muss jedoch jeden zweiten Tag die Waschmaschine anstellen.

Ein normaler Arbeitstag des Azubis hat neun Stunden. Wie aber in anderen Berufen auch, kann es mal zu Überstunden kommen. Zum Beispiel bei der Erdbeer-Ernte, da beginnt der Tag schon morgens um sechs. Trotzdem: Nils Bender ist rundum zufrieden mit seiner Ausbildung zum Landwirt. Auch wenn er mal einen harten Arbeitstag hatte, freut er sich wieder auf das nächste Mal Schlepper fahren. Und er kann es auch verkraften, dass seine Freunde ab und zu Witze über seinen Beruf machen. „Aber die meinen das nicht böse.“

Benders Ausbilder Heinz Reinhardt hat immer einen Azubi, manchmal auch zwei, sagt er. Sogar für nächstes Jahr ist der Nachwuchs schon sicher: Der Vertrag mit einem Azubi steht schon.

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