Anwohnerin berichtet: „Für mich war es eine Katastrophe“

Verseuchtes Trinkwasser hielt Eschborn eine Woche in Atem

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Das Gesundheitsamt gab am Donnerstag Entwarnung für das Trinkwasser in Eschborn.

Eschborn – Koli-Bakterien, die die Stadt Eschborn für über eine Woche in Schach gehalten haben, sind wahrscheinlich über einen Hydranten in das Trinkwasser-System in Eschborn gelangt. Die Eschborner sind ganz unterschiedlich mit der Situation umgegangen. Von Dirk Beutel

Es war ein Schock für etwa 15.000 Eschborner: Im Leitungswasser wurden Kolibakterien entdeckt. Diese Meldung gab die Stadt am Dienstag vergangener Woche heraus. Von Anfang an ausgenommen war der Stadtteil Niederhöchststadt. Für alle anderen galt: Wasser, das für die Essenszubereitung und das Zähneputzen benutzt wird, muss abgekocht werden. Denn Koli-Bakterien können beim Menschen zu Magen-Darmbeschwerden, Durchfall und Erbrechen führen. Die betroffenen Anwohner wurden von der Stadtpolizei noch Dienstag persönlich mit Handzetteln informiert. „Die meisten sind mit der Situation sehr gut umgegangen und haben Verständnis gezeigt“, sagt Frank Bomhauer, Leiter der Eschborner Stadtwerke.

Bakterien wurden zufällig entdeckt

So wie Dietmar Klotz: Ich habe mir jeden Morgen einen großen Topf mit Wasser für den Tag abgekocht. Ich habe ja gesehen, wie die Bauarbeiter gerackert haben. Da wusste ich gleich, dass das länger dauern könnte.“ Für Elisabeth Hemberger waren die Bauarbeiten in der Sulzbacher Straße allerdings die reinste Tortur: „Ich musste dreimal in dieser Woche zum Arzt, einmal sogar ins Krankenhaus und der Rettungswagen konnte wegen der Bauarbeiten nicht an meine Wohnung heranfahren. Für mich war das katastrophal“, sagt die gehbehinderte 83-Jährige. Mit dem Wasser-Alarm kam sie besser zurecht: „Ich habe mir im Supermarkt Mineralwasser gekauft. Das war am praktischsten.“

Eine Baufirma hatte vor einer Woche eine etwa 30 Meter lange Wasserleitung austauschen wollen und entdeckte bei Routine-Proben die Koli-Bakterien. Purer Zufall! Denn eine Woche vorher hatte die Stadt selbst an dieser Stelle Proben entnommen. Damals war allerdings alles in Ordnung. Betroffen war das Areal um die Sulzbacher Straße 13 bis 63, des Krifteler Wegs 2 bis 10 sowie „Am Sportfeld“ 6 bis 12. Einen ähnlichen Fall hat es in Eschborn noch nie gegeben. Auch nicht in den vergangenen zehn Jahren im gesamten Main-Taunus-Kreis, wie Kreissprecher Johannes Latsch bestätigt.

Ursache bleibt auch nach der Entwarnung unklar

„Wie die Bakterien in das Leitungssystem gekommen sind, ist sehr schwer herauszubekommen“, sagt Bomhauer. Seine Theorie: Möglicherweise haben sich Bakterien an der Kappe oder einer Armatur eines Hydranten in der Sulzbacher Straße abgelagert, die dann durch den Regen in der vergangenen Woche in das Leitungssystem gespült wurden. Doch es bleibt bei einer Theorie. Bereits am vergangenen Dienstag gab es für das Wohngebiet am Stadtpfad, das Gewerbegebiet Ost, den Helfmann Park sowie die Kant- und Odenwaldstraße Entwarnung. Am vergangenen Donnerstag-Nachmittag dann grünes Licht vom Gesundheitsamt für die gesamte Stadt. Die Laboruntersuchungen waren mehrere Tage hintereinander negativ.

Dass die Stadt über eine Woche in Schach gehalten wurde, sei der Sorgfalt der Stadt geschuldet. „Bevor wir Entwarnung geben konnte, wollten wir ganz sicher sein, dass keine Gefahr mehr besteht, besonders im Hinblick auf Babys, Schulkinder, Senioren und kranken Menschen wollten wir kein Risiko eingehen“, sagt Stadtsprecherin Beate Brendel.

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